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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 73. Band, (Jahrgang 1873)

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Z  immermann.

die  Beschaffenheit  beider  Reihen  weder  in  der  Zahl  noch  in
der  Qualität  der  einzelnen  Glieder  stimmt.  Demungeaclitet
findet  Herbart  ihre  Vergleichung  ,nützlich';  stellt  er  die  musikalische ­
  Harmonielehre,  den  Generalbass,  als  Vorbild  einer
Aesthetik  hin,  wie  wir  noch  keine  haben  (W.  VIII.  20).  Da
er  dessenungeachtet  ausdrücklich  einen  ,Unterschied“'  zwischen
Musik  und  den  ästhetischen  Bestimmungen  über  räumliche
und  zeitliche  Verhältnisse  statuirt  (Psych.  Unters.  Erstes  Heft
W.  VIII.  S.  222),  so  kann  sich  diese  Mustergültigkeit  auf
nichts  Anderes  als  die  Abgeschlossenheit  der  ursprünglichen
harmonischen  und  disharmonischen  Tonintervalle  beziehen,  von
welcher  ein  Aehnliches  nicht  nur  der  Aesthetik  anderer  Künste,
sondern  insbesondere  auch  der  Aesthetik  des  Willens  zu
wünschen  wäre.
Nicht  sogleich  am  Beginn  von  Herbart’s  Ideenlehre  tritt
dieser  geschlossene  Charakter  derselben  hervor.  Es  hat  etwas
Befremdendes  für  den  Leser,  wenn  nach  den  vorausgeschickten
Betrachtungen  über  die  Natur  des  ästhetischen  Geschmacks
das  erste  Buch  der  praktischen  Philosophie,  die  Ideenlehre,
sofort  mit  der  Idee  der  inneren  Freiheit  beginnt  und  die
übrigen  folgen  lässt,  anscheinend  wie  aus  den  Monde  gefallen.
Erst  in  dem  siebenten  Capitel,  welches  den  Uebergang  von
den  ursprünglichen  zu  den  abgeleiteten  Ideen  enthält,  und
auch  da  nur  beiläufig  und  in  knappster  Form  wird  ein  Einblick ­
  gewährt  in  das  Gefüge  der  ,Grundlehren';  die  Reihe  der
ursprünglichen  Ideen  wird  als  ,geschlossen'  bezeichnet  (a.  a.  0.
VIII.  S.  74).  Das  erste  Verhältniss,  heisst  es,  fand  sich  zwischen
der  Beurthoilung  selbst  und  dem  ihr  entweder  entsprechenden
oder  nicht  entsprechenden  Wollen  überhaupt;  das  zweite
zwischen  den  mehreren  Strebungen,  die  schon  in  einem  und
demselben  wollenden  Wesen  einander  der  Grösse  nach  messen;
das  dritte  lag  gleichsam  auf  der  Grenze  des  Fortschritts  zu
einer  Mehrheit  von  Vernunftwesen,  indem  es  zunächst  nur
einen  vorgestellten  fremden  Willen  mit  dem  eigenen  Willen
des  Vorstellenden  zusammenfasste;  das  vierte  entstand  im  Zusammentreffen ­
  mehrerer  wirklicher  Willen  auf  einen  äussern
Gegenstand;  das  fünfte  ergab  sich  aus  der  absichtlichen  That,
wodurch  ein  Wille  dem  andern  Wohl  oder  Wehe  bereitet.
            
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