Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 73. Band, (Jahrgang 1873)

Ueber  den  EinfluBS  der  Tonlehre  auf  Herbart’s  Philosophie.

63

S.  XI.)  die  Grundbegriffe  seiner  Psychologie  durch  die  aus
Fichte’s  Schule  anhängenden  trüben  und  unklaren  Elemente
hindurch  bereits  deutlich  zu  erkennen.  Für  die  ihm  später
so  wichtige  Anwendung  auf  die  Tonlehre  ist  es  bedeutsam,
dass  schon  hier  unter  den  Beispielen  nicht  in-  sondern  aneinander ­
  liegender  und  sich  einander  ausschliessender  Gefühle,
welche  deshalb  ein  ,Continuum‘  bilden,  die  ,Tonlinie'  genannt
wird  (a.  a.  0.  S.  42).  Die  oben  hervorgehobene  Vermischung
des  ,mathematischen'  und  des  ,logischen'  Continuums,  deren
erstes  zwischen  je  zwei  Punkten  einen  dritten  enthält,  während
das  zweite  zwischen  je  zwei  auf  einanderfolgenden  Gliedern
kein  drittes  duldet,  geht,  wie  man  sieht,  bis  auf  das  embryonale
Ei  seiner  Philosophie  zurück.
In  der  logischen  ,Continuität'  liegt  die  Aehnliclikeit  der
Tonlinie  mit  der  Reihe  praktischer  Ideen,  welche  die  Basis
von  Herbart’s  praktischer  Philosophie  bildet.  Jene  stellt  eine
Folge  von  logisch  dicht  aneinander  (mit  Ausschliessung  jedes
Mittelgliedes)  gereihten  Ton-,  diese  eine  von  ebenso  beschaffenen ­
  Willensverhältnissen  dar.  Bei  oberflächlicher  Vergleichung
kann  es  auffallen,  dass  nach  Herbart  die  Tonlinie  nicht  mehr
als  fünf  ausgezeichnete  Intervalle:  Octave,  (falsche  und  reine)
Quinte,  (kleine  und  grosse)  Terz,  Quarte  und  Secunde  zählt,
da  er  die  Sexten  und  Septimen  nur  als  Umkehrungen  der  Terz
und  Secunde  gelten  lässt.  Man  könnte  versucht  sein,  in  der
entsprechenden  Fünfzahl  der  praktischen  Ideen  eine  Accommodation
  an  die  erstere  zu  wittern.  Davon  wird  man  zurückkommen,
  wenn  man  bedenkt,  dass  die  Reihe  der  ästhetischen
Willensverhältnisse  zwar  gleichfalls  fünf,  aber,  wenn  man  das
beifällige  und  das  missfällige  Verhältniss  besonders  zählt,
eigentlich  acht  Glieder  enthält,  und  zwar  in  der  Reihenfolge:
Innere  Freiheit  Vollkommenheit  Wohlwollen
Innere  Unfreiheit  Unvollkommenheit  Uebelwollen
(Recht)  (Billigkeit)
Streit  Unvergoltene  That,
von  denen  drei  beifällig,  fünf  dagegen  unbedingt  missfällig  sind.
Die  falsche  Quinte  zählt  Herbart  besonders  auf,  wodurch  die
Zahl  der  ausgezeichneten  Intervalle  auf  sechs,  die  kleine  Terz
unterscheidet  er  von  der  grossen,  wodurch  sie  auf  sieben  steigt.
Darunter  sind  fünf  harmonisch,  zwei  disharmonisch,  so  dass
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.