Ueljer (Ion Einfluss der Tonlelire auf Herbart’s Philosophie.
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sich auf Leibnitz’ bekannten Ausspruch über die Musik stützte,
näher zur Hand gelegen. Leibnitz erklärte die Wirkung der
Musik für ein ,unbewusstes Zählen'; Euler bestimmte das
Wohlgefallen an der Musik als Folge des Wahrnehmens ,rationaler
Verhältnisse der Tonschwingungen'. Helmholtz’ Einwand
gegen die letztere, dass eben gar nicht gesagt sei, wie es die
Seele denn mache, dass sie die Zahlenverhältnisse je zwei
zusammenklingender Töne wahrnehme (a. a. 0. S. 351), trifft
den Nagel auf den Kopf. Der natürliche Mensch, sagt er seinrichtig,
macht sich kaum klar, dass der Ton auf Schwingungen
beruht. Jedenfalls darf sein Wohlgefallen an der Musik nicht
von dieser (rein physikalischen) Kenntniss abhängig gedacht
werden. Die physikalische Wirkung zweier Verhältnisse aber,
die intermittirende oder continuirliehe Empfindung des Hörnerven
(Anwesenheit oder Abwesenheit von Schwebungen)
kann sie mit Leichtigkeit wahrnehmen. Zu dem Ende muss
jedoch die Vorstellung von der Einfachheit der Tonempfindungen
und deren bloss ,in Gedanken' als ,zufällige Ansicht' vor sich
gehender Zerlegung in Gleichartiges und Entgegengesetztes aufgegeben
und an deren Stelle die mit der Helmholtz’schen
Theorie der Consonanz und Dissonanz mittels der ganz oder
theilweise zusammenfallenden oder in Schwebungen verharrenden
Partialtöne in Einklang stehende Theorie zusammengesetzter
concreter Tonempfindungen (vgl. meine Aestli. als
Formwiss. §. 462) substituirt werden.
Auch gegen die oben angefochtene Auffassung der Octave
als des Intervalls vollen Gegensatzes, dieses Fundament der
Tonlehre Herbart’s, hat schon Waitz (a. a. O. S. 147) Bedenken
erhoben, der sie ,willkürlich' nannte. Scheint es, meint er,
nicht weit natürlicher, die Grösse des Gegensatzes direct nach
der Grösse des Intervalls zu bestimmen und nächst dieser
nach dem Grade der Disharmonie? Auf das Befremden, das
es erregen muss, wenn nach obiger Annahme der volle Gegensatz
dahin fällt, wo der Erfahrung des Ohrs zufolge der vollkommenste
Einklang herrscht, ist oben schon hingewiesen
worden. Zugleich aber auf den Weg, auf welchem, wenn nur
die unhaltbare (und höchstens in propädeutischen Lehrbüchern
der Einfachheit wegen vgl. m. Lchrb. der philosoph. Propaedeutik,
3. Auflage S. 199 u. 201, wo statt ,einfache' immer