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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 73. Band, (Jahrgang 1873)

Ueljer  (Ion  Einfluss  der  Tonlelire  auf  Herbart’s  Philosophie.

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sich  auf  Leibnitz’  bekannten  Ausspruch  über  die  Musik  stützte,
näher  zur  Hand  gelegen.  Leibnitz  erklärte  die  Wirkung  der
Musik  für  ein  ,unbewusstes  Zählen';  Euler  bestimmte  das
Wohlgefallen  an  der  Musik  als  Folge  des  Wahrnehmens  ,rationaler ­
  Verhältnisse  der  Tonschwingungen'.  Helmholtz’  Einwand
gegen  die  letztere,  dass  eben  gar  nicht  gesagt  sei,  wie  es  die
Seele  denn  mache,  dass  sie  die  Zahlenverhältnisse  je  zwei
zusammenklingender  Töne  wahrnehme  (a.  a.  0.  S.  351),  trifft
den  Nagel  auf  den  Kopf.  Der  natürliche  Mensch,  sagt  er  seinrichtig,
  macht  sich  kaum  klar,  dass  der  Ton  auf  Schwingungen
beruht.  Jedenfalls  darf  sein  Wohlgefallen  an  der  Musik  nicht
von  dieser  (rein  physikalischen)  Kenntniss  abhängig  gedacht
werden.  Die  physikalische  Wirkung  zweier  Verhältnisse  aber,
die  intermittirende  oder  continuirliehe  Empfindung  des  Hörnerven ­
  (Anwesenheit  oder  Abwesenheit  von  Schwebungen)
kann  sie  mit  Leichtigkeit  wahrnehmen.  Zu  dem  Ende  muss
jedoch  die  Vorstellung  von  der  Einfachheit  der  Tonempfindungen
und  deren  bloss  ,in  Gedanken'  als  ,zufällige  Ansicht'  vor  sich
gehender  Zerlegung  in  Gleichartiges  und  Entgegengesetztes  aufgegeben ­
  und  an  deren  Stelle  die  mit  der  Helmholtz’schen
Theorie  der  Consonanz  und  Dissonanz  mittels  der  ganz  oder
theilweise  zusammenfallenden  oder  in  Schwebungen  verharrenden ­
  Partialtöne  in  Einklang  stehende  Theorie  zusammengesetzter ­
  concreter  Tonempfindungen  (vgl.  meine  Aestli.  als
Formwiss.  §.  462)  substituirt  werden.
Auch  gegen  die  oben  angefochtene  Auffassung  der  Octave
als  des  Intervalls  vollen  Gegensatzes,  dieses  Fundament  der
Tonlehre  Herbart’s,  hat  schon  Waitz  (a.  a.  O.  S.  147)  Bedenken
erhoben,  der  sie  ,willkürlich'  nannte.  Scheint  es,  meint  er,
nicht  weit  natürlicher,  die  Grösse  des  Gegensatzes  direct  nach
der  Grösse  des  Intervalls  zu  bestimmen  und  nächst  dieser
nach  dem  Grade  der  Disharmonie?  Auf  das  Befremden,  das
es  erregen  muss,  wenn  nach  obiger  Annahme  der  volle  Gegensatz ­
  dahin  fällt,  wo  der  Erfahrung  des  Ohrs  zufolge  der  vollkommenste ­
  Einklang  herrscht,  ist  oben  schon  hingewiesen
worden.  Zugleich  aber  auf  den  Weg,  auf  welchem,  wenn  nur
die  unhaltbare  (und  höchstens  in  propädeutischen  Lehrbüchern
der  Einfachheit  wegen  vgl.  m.  Lchrb.  der  philosoph.  Propaedeutik,
  3.  Auflage  S.  199  u.  201,  wo  statt  ,einfache'  immer
            
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