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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 73. Band, (Jahrgang 1873)

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Z  immermann.

und  die  Qualität  der  Tonempfindungen  statt  für  einfach,  für
thatsächlich  zusammengesetzt  aus  Gleichem  und  Entgegengesetztem ­
  anzusehen.  Die  Consonanz  zweier  zugleich  vernommener ­
  Klänge  erscheint  dann  um  so  bedeutender,  je  mehr
und  je  näher  dem  Grundton  gelegene  Obertöne  derselben  zusammenfallen, ­
  d.  h.  je  weniger  Schwebungen,  das  ist  Nöthigung
zum  Einswerden  in  den  beiden  Klängen  vorhanden  ist.  Dagegen
dissoniren  die  Klänge  um  so  stärker,  wenn  keine  oder  nur
sehr  weit  vom  Grundton  abstehende  (in  Folge  dessen  unvernehmliche) ­
  Obertöne  coincidiren,  also  die  Menge  der  Schwebungen ­
  und  in  Folge  dessen  das  Quantum  der  Nöthigung  zum
Einswerden  sehr  gross  ist.  Letzteres  ist  bei  der  kleinen  und
grossen  Secunde,  bei  der  grossen  und  in  milderem  Grade  bei
der  kleinen  Septime,  Ersteres  bei  der  Octave,  der  Duodecime
und  zweiten  Octave,  sowie  bei  der  mehr  in  der  Mitte  des
Octavintervalls  gelegenen  Quinte,  Quarte  und  grossen  Sext,
in  minderem  Grade  bei  der  grossen  und  kleinen  Terz  der  Fall,
die  daher  erst  seit  dem  12.  Jahrhundert  und  auch  dann  nur
für  unvollkommene  Consonanzen  gelten.  (Vgl.  Helmh.  a.  a.
O.  S.  287  u.  ff.)
Der  Verwandlung  der  Tonempfindung  aus  einer  einfachen  in
einen  Complex  mehrerer  gleichzeitigen  Empfindungen  zugleich
klingender  Töne  steht  von  Seite  Herbart’s  um  so  weniger  im
Wege,  -  als  seine  eigene  gelegentlich  geäusserte  Ansicht  über
den  Bau  des  Gehörorgans  miQ  der  von  Helmholtz  seiner
Theorie  zu  Grunde  gelegten  im  Wesentlichen  zusammentrifft.
Letzterer  sagt  (a.  a.  0.  S.  215):  dass  es  verschiedene  Theile
sein  müssen,  welche  durch  verschiedene  Töne  in  Schwingung
versetzt  werden  und  diese  Töne  empfinden.  Werde  daher
ein  zusammengesetzter  Klang  (oder  ein  Accord)  dem  Ohre  zugeleitet, ­
  so  werden  alle  diejenigen  elastischen  Gebilde  erregt,
deren  Tonhöhe  den  verschiedenen  in  der  Klangmasse  enthaltenen ­
  einzelnen  Tönen  (dem  Grundton  und  seinen  Obertönen) ­
  entspricht,  und  bei  gehörig  gerichteter  Aufmerksamkeit
werden  daher  auch  alle  die  einzelnen  Empfindungen  der  einzelnen ­
  einfachen  Töne  einzeln  wahrgenommen  (der  Accord
wird  in  seine  einzelnen  Klänge,  der  Klang  in  seine  einzelnen
Töne  zerlegt)  werden  können.  Herbart  sagt  (Lelirb.  z.  Psych.
§.  72  W.  V.  S.  54):  wahrscheinlich  habe  jeder  musikalische
            
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