Zur 'Geschichte und Chronologie von Khwarizm.
487
Kayaliier erfahren. Dass Siyäwush nach Khwarizm gekommen
sei und dass er die Türken seiner Botmässigkeit unterworfen,
ferner dass seine Nachkommen (die Linie des Kaikhusrü) sich
des Thrones von Khwarizm bemächtigt und ihn von 1200 vor
Chr. bis 995 nach Chr. innegehabt haben, alles dies ist, soweit
wir das hierher bezügliche Quellenmaterial übersehen, gänzlich
unbekanntSiyäwush entfloh, um den Intriguen einer der
Frauen seines Vaters zu entgehen und weil sein Vater den
von ihm mit Afräsiäb, dem Fürsten von Turan, abgeschlossenen
Frieden nicht anerkennen wollte, aus Eran nach Turan, heirathete
eine Tochter des Afräsiäb und nahm seinen dauernden
Wohnsitz in Kangdiz, wo er später ermordet wurde. Dies
Kangdiz, altbaktrisch Kan ha, spielt in der mythischen Geographie
der Eranier eine grosse Rolle, vgl. Windischmann,
Zoroastrisclie Studien S. 15 ff. Es wäre nicht unmöglich, dass
Albirüni Kangdiz mit Khwarizm identificirte. Nachdem
der Sohn des Siyäwush, Kaikhusrü nach Eran zurückgeführt
und von seinem Grossvater als Thronfolger anerkannt ist,
beginnt er den Rachekrieg gegen Turan; speciell wird erwähnt,
dass einer seiner Helden mit Namen Ashkash Khwarizm eroberte.
Nach dem Tode des Kaikhusrü geht die Herrschaft
der Kayaniden auf eine Seitenlinie (Luliräsp) über; als directe
Nachkommen des Kaikhusrü werden nur vier Töchter und in
einer Avestä-Stelle ein sonst gänzlich unbekannter Sohn Akhrüra
erwähnt. Unter der bei Albirüni erwähnten Ausdehnung der
Herrschaft über das Türkenreich, die sich nach dem arabischen
Wortlaut sowohl auf Siyäwush als auf Kaikhusrü beziehen kann,
ist nicht die Unterwerfung Turan’s durch Kaikhusrü zu verstehen,
da dieser dem gefangenen Sohne des Afräsiäb das
väterliche Reich zurückgab. Wahrscheinlich ist dabei an eine
Unterwerfung der Ghuzz-Türken gedacht.
1 Audi in der Urgeschichte Bukhärä’s spidt Siyäwush eine Holle — nach
dem Ta’rikh-i-Narshakhi (s. Vambery, Geschichte Bocliara’s I, 3 Anm. I.)
Alsafadi (in seinem «Jl Handschrift der Hofbibliothek
N. F. 234 Bl. 19a) erwähnt ein Ed «Al and
das Bl. 18b eine ,Chronik Samarkand’s von Aridrisi“ sammt einer Fortsetzung
(Joö) von ’Abü-Hafs Alnasafi.