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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 73. Band, (Jahrgang 1873)

Ueber  den  Einfluss  der  Tonlebre  auf  Herbart’s  Philosophie.

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Gebiete,  in  welches  er  sich  mit  seinen  Lehren  versetzt,  nicht
eigentlich  (aus  cler  Erfahrung-)  zu  lernen;  sondern  sie  lehrt
in  Folge  der  Principien,  die  sie  schon  (vor  aller  Erfahrung)
hat.  Auch  geht  ihre  Lehre  ohne  allen  Vergleich  weiter,  als  bloss
auf  die  Tonkunst,  die  vielmehr  ein  sehr  untergeordnetes  Glied
für  die  Lehre  im  Ganzen  genommen  ist.  Vielmehr  haben  obige
Intervalle,  wenn  sie  aus  den  psychologischen  Principien  gefunden ­
  werden,  als  Bürgschaft  für  die  Verlässlichkeit  dieser
selbst  zu  dienen;  etwa  wie  das  Eintreffen  der  Himmelskörper
an  ihren  vorausberechneten  Orten  zur  Bestätigung  der  ihrer
Berechnung  zu  Grunde  gelegten  Hypothese  dient.  Auf  einem,
wenngleich  untergeordneterem,  Gebiet  empirisch  bewährt,  werden
die  psychologischen  Grundformeln  auch  auf  anderen  wichtigeren
Gebieten  des  psychischen  Lebens  sich  Zutrauen  erwerben.
Welches  die  Gebiete  seien,  gegen  welche  das  der  Tonkunst ­
  als  untergeordnet  erscheine,  wird  unverkennbar  angedeutet. ­
  In  den  Hauptpunkten  §.  13  (III.  45)  nennt  er  das
Geschmacks-Urtheil  vielleicht  die  grösste  aller  psychologischen
Aufgaben'.  Damit  sie  nicht  ,unberührt'  bleibt,  setzt  er  das
,Folgende'  hinzu.  Dieses  nun  ist  nichts  anderes  als  eben  die
Entwicklung  jener  psychologischen  Grundformeln,  deren  ,Anwendung' ­
  und  Bestätigung  die  Tonlinie  ausmacht.  Hält  man
damit  zusammen,  dass  das  ,Geschmacksurtheil'  die  Basis  seiner
allgemeinen  praktischen  Philosophie  bildet  und  letztere  mit  den
Hauptpunkten  der  Metaphysik  in  demselben  Jahr  (1808)  erschien,
so  springt  der  Zusammenhang  der  Tonlehre  nicht  nur  mit
seiner  Psychologie,  sondern  auch  mit  seiner  Ethik  in  die
Augen.  Es  bedürfte  nicht  einmal  der  ausdrücklichen  Versicherung ­
  in  den  drei  Jahre  später  geschriebenen  psychologischen ­
  Bemerkungen'  zur  Tonlehre  (VII.  27),  dass  die  vorstehenden ­
  (die  Tonlehre  betreffenden)  Untersuchungen  uns  tief
genug  in  unsere  Seele  blicken  lassen,  zwar  keineswegs  zu
einer  erschöpfenden  Kenntniss  des  vorgelegten  (musikalisehen)
Gegenstandes,  aber  wohl  dazu,  um  eine  nützliche  Vergleichung ­
  mit  den  Grundlehren  der  praktischen  Philosophie ­
  darzubieten.
Um  letztere  also  ist  es  ihm  vornehmlich  zu  thun.  Nur
insoweit  die  Grundlehren  der  Tonlehre  nicht  nur  als  ,fester
Punkt'  in  der  Erfahrung  ,eine  Bestätigung'  der  a  priori  ge-
            
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