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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 73. Band, (Jahrgang 1873)

Die  Psychologie  des  Wilhelm  von  Auvergne.

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mit  gutem  Grunde  sagen,  dass  dieselbe  vor  der  näheren  und
genaueren  Befreundung  mit  den  aristotelischen  Schriften  als
methodisch  geregelte  Schuldisciplin  und  systematische  Zusammenfassung ­
  aller  auf  Wesen  und  Leben  der  Seele  bezüglichen
Erörterungen  noch  nicht  vorhanden  war,  und  als  solche  erst
aus  der  Commentirung  der  einschlägigen  aristotelischen  Studien
erwuchs.  Dass  die  auf  diesem  Wege  zu  Stande  gekommene
Schulpsychologie  nicht  den  Charakter  eines  lebendigen  Erfahruugswissens
  hatte,  und  ganz  und  gar  nur  auf  dem  Grunde
der  allgemeinen  kosmologischen  Begriffe  und  Anschauungen
der  aristotelischen  Philosophie  stand,  ist  unbedenklich  zuzugeben. ­
  Diese  Behandlungsart  genügte  aber  für  ein  Zeitalter,
in  welchem  Sinn  und  Bedürfniss  für  eine  lebensvollere  Auffassung ­
  und  Darstellungsweise  noch  nicht  erwacht,  und  auch
jene  Forschungszweige  noch  nicht  aufgeschlossen  waren,  deren
Betrieb  durch  sich  selbst  dahin  drängte,  das  psychologische
Gebiet  als  ein  selbstständiges  und  in  sich  geschlossenes  Forschungsgebiet ­
  von  jenen  anderen,  denen  sie  bis  dahin  eingegliedert
  war,  distincter  abzuscheiden  und  auf  den  Grund  der
inneren  Selbsterfahrung  als  Quelle  der  eigenartigen  Erkenntnisse
der  Psychologie  zu  stellen.  Die  scholastische  Psychologie  hatte
vorwiegend  einen  metaphysisch  abstracten  Charakter;  es  handelte ­
  sich  in  ihr  vornehmlich  darum,  den  Wesensbegriff  der
Seele  mit  Rücksicht  auf  deren  Verhältniss  zu  Gott  und  zur
Ordnung  der  sichtbaren  und  unsichtbaren  Dinge,  sowie  zu  dem
ihr  eignenden  Leibe  richtig  zu  bestimmen.  Damit  war  ihre
Aufgabe  erschöpft,  die  nach  ihrer  ganzen  Art  und  Beschaffenheit ­
  nur  auf  Grundlage  eines  als  gemeingiltig  recipirten  philosophischen ­
  Weltbegriffes  gelöst  werden  konnte.  Als  solcher
galt  aber  für  jene  Zeit  der  christlich  rectificirte  aristotelische
Weltbegriff  als  gereiftestes  Resultat  der  antiken  philosophischen
Kosmologie.  Demzufolge  ist  es  von  selber  klar,  dass  das  auf
einem  ganz  unfertigen  Weltbegriffe  ruhende  und  schon  darum
unvollständig  und  lückenhaft  ausgefallene  Unternehmen  Wilhelms ­
  rasch  überholt  und  in  seinem  Stemmen  gegen  den  Zug
der  machtvoll  hereinbrechenden  geistigen  Strömung  einfach  bei
Seite  geschoben  wurde.  Es  lassen  sich  allerdings  in  Albert’s
und  Thomas’  Werken  Spuren  einer  Berücksichtigung  der  Schrift
Wilhelms  aufweisen,  aber  nur  in  jener  Weise,  dass  verfehlte
            
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