Die Psychologie des Wilhelm von Auvergne.
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mit gutem Grunde sagen, dass dieselbe vor der näheren und
genaueren Befreundung mit den aristotelischen Schriften als
methodisch geregelte Schuldisciplin und systematische Zusammenfassung
aller auf Wesen und Leben der Seele bezüglichen
Erörterungen noch nicht vorhanden war, und als solche erst
aus der Commentirung der einschlägigen aristotelischen Studien
erwuchs. Dass die auf diesem Wege zu Stande gekommene
Schulpsychologie nicht den Charakter eines lebendigen Erfahruugswissens
hatte, und ganz und gar nur auf dem Grunde
der allgemeinen kosmologischen Begriffe und Anschauungen
der aristotelischen Philosophie stand, ist unbedenklich zuzugeben.
Diese Behandlungsart genügte aber für ein Zeitalter,
in welchem Sinn und Bedürfniss für eine lebensvollere Auffassung
und Darstellungsweise noch nicht erwacht, und auch
jene Forschungszweige noch nicht aufgeschlossen waren, deren
Betrieb durch sich selbst dahin drängte, das psychologische
Gebiet als ein selbstständiges und in sich geschlossenes Forschungsgebiet
von jenen anderen, denen sie bis dahin eingegliedert
war, distincter abzuscheiden und auf den Grund der
inneren Selbsterfahrung als Quelle der eigenartigen Erkenntnisse
der Psychologie zu stellen. Die scholastische Psychologie hatte
vorwiegend einen metaphysisch abstracten Charakter; es handelte
sich in ihr vornehmlich darum, den Wesensbegriff der
Seele mit Rücksicht auf deren Verhältniss zu Gott und zur
Ordnung der sichtbaren und unsichtbaren Dinge, sowie zu dem
ihr eignenden Leibe richtig zu bestimmen. Damit war ihre
Aufgabe erschöpft, die nach ihrer ganzen Art und Beschaffenheit
nur auf Grundlage eines als gemeingiltig recipirten philosophischen
Weltbegriffes gelöst werden konnte. Als solcher
galt aber für jene Zeit der christlich rectificirte aristotelische
Weltbegriff als gereiftestes Resultat der antiken philosophischen
Kosmologie. Demzufolge ist es von selber klar, dass das auf
einem ganz unfertigen Weltbegriffe ruhende und schon darum
unvollständig und lückenhaft ausgefallene Unternehmen Wilhelms
rasch überholt und in seinem Stemmen gegen den Zug
der machtvoll hereinbrechenden geistigen Strömung einfach bei
Seite geschoben wurde. Es lassen sich allerdings in Albert’s
und Thomas’ Werken Spuren einer Berücksichtigung der Schrift
Wilhelms aufweisen, aber nur in jener Weise, dass verfehlte