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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 73. Band, (Jahrgang 1873)

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Werner.

übrigens  der  consequenten  Festhaltüng  seines  intellectuellen
Sensismus  eine  gewisse  Anerkennung  nicht  versagen.  Die
ewige  Seligkeit  ist  bedroht,  meint  Wilhelm,  wenn  die  menschliche ­
  Seele  darauf  angewiesen  ist,  dereinst  im  Anschauen  allgemeiner ­
  Gedanken  ihre  Befriedigung  zu  finden;  als  ob  die
ewigen  Ideen,  in  deren  Anschauung  die  Seligen  versenkt  sind,
abstracte  Schemen  wären,  an  deren  Betrachtung  sich  zu  langweilen ­
  den  jenseitigen  Seelen  zugemuthet  werde!  Sinn  und
Erfahrung,  fährt  er  weiter,  sind  die  Quellen  der  Ergötzung
und  Erquickung;  nun  denn,  es  gibt  auch  einen  geistigen  Idealsinn, ­
  und  es  gibt  Freuden,  die  aus  der  inneren,  durch  grossartige ­
  Anschauungen  und  ideelle  Tiefblicke  gewonnenen  inneren
Erhebung  geschöpft  werden,  die  schon  im  zeitlichen  Leben
als  die  begliickendsten  aller  Erfahrungen  empfunden  werden.
Stammt  nicht  alle  Begeisterung  aus  Ideen?  Und  soll  die  ewige
Glückseligkeit  nicht  ihren  unerschöpflichen  Quell  in  jenen  geistigen ­
  Erhebungen  haben,  die  den  zur  Anschauung  Gottes  Gelangten ­
  in  der  unbegrenzten  Reihe  der  in  Gott  als  absoluter
Allheit  sich  erschliessenden  Ideen  als  eine  endlose  Aufeinanderfolge ­
  von  Tagen  lichtester,  freudigster  Erkenntniss  aufgehen?
Ziehen  wir  die  Schlusssumme  aus  unseren  bisherigen  Anführungen ­
  und  Auseinandersetzungen,  so  ergibt  sich  als  unzweifelhaftes ­
  Resultat  für  Wilhelms  Zeitalter  ein  Zustand  philosophischer ­
  Bildung,  der  die  nachfolgenden  Bemühungen  der
peripatetisch  geschulten  theologischen  Summisten  des  13.  Jahrhunderts ­
  als  ein  Bedürfniss  für  jene  Zeit,  und  die  Errungenschaften ­
  jener  Bemühungen  als  einen  wirklichen  geistigen  Fortschritt ­
  erkennen  lässt.  Mag  man  über  die  peripatetische  Scholastik ­
  des  Mittelalters  wie  immer  denken,  Schule  und  Methode,
encyclopädische  Ueberschau  und  systematische  Zusammenfassung ­
  des  in  irgend  einem  Zeitalter  Gedachten  und  Gewussten
bleiben  immer  die  ersten  und  fundamentalsten  Bedingungen
eines  geordneten  und  geregelten  Erkenntnissstrebens  und  Wis
senschaftsbetriebes;  unser  Tractat  de  anima  aber,  der  am  Eingänge ­
  des  13.  Jahrhunderts  steht,  ist  durch  sich  selber  ein
lebendiges  Zeugniss  dessen,  dass  es  dazumal  an  dem  Genannten ­
  noch  merklich  fehlte,  und  ein  durchgreifendes  Medium
und  Vehikel  tüchtiger  Denkschulung  noch  nicht  aufgebracht
war.  Die  Psychologie  im  Besonderen  anbelangend,  lässt  sich
            
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