zu werden vermöchte. Wilhelm hebt jedoch nur diese Schwierigkeiten
hervor, ohne das Wahre und Berechtigte an ihr zu
würdigen, welches darin liegt, dass die menschliche Seele eine
über die Getheiltheit, Diversität und Particularität des Sinnlichen
hinausgestellte universelle Wesenheit sei, deren Charakter
sich auch in der ihr spccifisch eignenden Art des Erkennens
bekunden müsse, mittelst dessen die Sinnendinge aus ihrer
niederen sinnlichen Wirklichkeit in die Region einer höheren
geistigen Wirklichkeit hinaufgehoben werden, in der sie als
constitutive Glieder und integrirende Momente der in ihnen
ausgedrückten und verwirklichten göttlichen Naturidee erkannt
werden. Diese Einsicht auf Grund ihrer peripatetischen Hinterlage
errungen zu haben, ist eine bleibende Leistung der
thomistischen Speculation, und Wilhelm wäre allerdings darauf
angewiesen gewesen, sich zu fragen, worin denn der specifische
Unterschied zwischen dem thierischen und menschlichen Erkennen,
oder, um seine Sprache zu reden, zwischen dem Erkennen
der thierischen und der menschlichen Seele eigentlich
begründet sei, oder woher es komme, dass, während das
thierische Erkennen allüberall und durchgehends am Sinnlichen
haftet, das menschliche Erkennen sich in den Bereich der über
die Particularitäten und Diversitäten des Sinnlichen erhabenen
Region des Uebersinnlichen zu erheben vermöge. Auch für
die Erledigung der Unsterblichkeitsfrage wäre dieser von Wilhelm
völlig beiseite gesetzte Punkt von Belang gewesen. Allerdings
lässt sich aus der Fähigkeit der Seele, die Allgemeinbegriffe
der Sinnendinge zu denken, noch nicht auf ihre Unsterblichkeit
und UnVergänglichkeit schliessen, weil die einzelnen
Sinnendinge und die einzelnen Species, unter welche die
singulären Exemplare der Sinnendinge und Sinnenwesen gehören,
im Verhältniss zum grossen Naturganzen von zu geringer
Bedeutung sind, als dass die Fähigkeit, sich Begriffe von ihnen
zu bilden, den Anspruch auf unvergängliche Dauer des Denkenden
begründen sollte. Sind doch die Individuen und Species
der Sinnendinge und Sinnenwesen selber vergänglich und veränderlich
, so dass das ihre Begriffe erfassende Dcnkei) noch
durchaus nicht etwas Bleibendes und Unvergängliches ergreift,
somit auch nicht eine des Bleibenden und Unvergänglichen
mächtige Denknatur bekundet, die selber der Unvergänglichkeit