Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 73. Band, (Jahrgang 1873)

zu  werden  vermöchte.  Wilhelm  hebt  jedoch  nur  diese  Schwierigkeiten ­
  hervor,  ohne  das  Wahre  und  Berechtigte  an  ihr  zu
würdigen,  welches  darin  liegt,  dass  die  menschliche  Seele  eine
über  die  Getheiltheit,  Diversität  und  Particularität  des  Sinnlichen ­
  hinausgestellte  universelle  Wesenheit  sei,  deren  Charakter ­
  sich  auch  in  der  ihr  spccifisch  eignenden  Art  des  Erkennens
bekunden  müsse,  mittelst  dessen  die  Sinnendinge  aus  ihrer
niederen  sinnlichen  Wirklichkeit  in  die  Region  einer  höheren
geistigen  Wirklichkeit  hinaufgehoben  werden,  in  der  sie  als
constitutive  Glieder  und  integrirende  Momente  der  in  ihnen
ausgedrückten  und  verwirklichten  göttlichen  Naturidee  erkannt
werden.  Diese  Einsicht  auf  Grund  ihrer  peripatetischen  Hinterlage ­
  errungen  zu  haben,  ist  eine  bleibende  Leistung  der
thomistischen  Speculation,  und  Wilhelm  wäre  allerdings  darauf
angewiesen  gewesen,  sich  zu  fragen,  worin  denn  der  specifische
Unterschied  zwischen  dem  thierischen  und  menschlichen  Erkennen, ­
  oder,  um  seine  Sprache  zu  reden,  zwischen  dem  Erkennen ­
  der  thierischen  und  der  menschlichen  Seele  eigentlich
begründet  sei,  oder  woher  es  komme,  dass,  während  das
thierische  Erkennen  allüberall  und  durchgehends  am  Sinnlichen
haftet,  das  menschliche  Erkennen  sich  in  den  Bereich  der  über
die  Particularitäten  und  Diversitäten  des  Sinnlichen  erhabenen
Region  des  Uebersinnlichen  zu  erheben  vermöge.  Auch  für
die  Erledigung  der  Unsterblichkeitsfrage  wäre  dieser  von  Wilhelm ­
  völlig  beiseite  gesetzte  Punkt  von  Belang  gewesen.  Allerdings ­
  lässt  sich  aus  der  Fähigkeit  der  Seele,  die  Allgemeinbegriffe ­
  der  Sinnendinge  zu  denken,  noch  nicht  auf  ihre  Unsterblichkeit ­
  und  UnVergänglichkeit  schliessen,  weil  die  einzelnen ­
  Sinnendinge  und  die  einzelnen  Species,  unter  welche  die
singulären  Exemplare  der  Sinnendinge  und  Sinnenwesen  gehören, ­
  im  Verhältniss  zum  grossen  Naturganzen  von  zu  geringer
Bedeutung  sind,  als  dass  die  Fähigkeit,  sich  Begriffe  von  ihnen
zu  bilden,  den  Anspruch  auf  unvergängliche  Dauer  des  Denkenden ­
  begründen  sollte.  Sind  doch  die  Individuen  und  Species
der  Sinnendinge  und  Sinnenwesen  selber  vergänglich  und  veränderlich ­
  ,  so  dass  das  ihre  Begriffe  erfassende  Dcnkei)  noch
durchaus  nicht  etwas  Bleibendes  und  Unvergängliches  ergreift,
somit  auch  nicht  eine  des  Bleibenden  und  Unvergänglichen
mächtige  Denknatur  bekundet,  die  selber  der  Unvergänglichkeit
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.