Die Psychologie des Wilhelm von Auvergne.
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dieses Einzelwesen erkennt, die Folgerung zieht, es müsse ihr
überhaupt eigen sein, wie das Allgemeine, so auch das Einzelne
zu erkennen. Bei so beschaffener Auffassungsweise muss man
wohl auch zweifeln, ob Wilhelm sich den Grund der intellectuellen
Denkfähigkeit der Menschenseele, des geschöpflichen
Ebenbildes der göttlichen Wesenheit klar zu machen, je das
philosophische Bedürfniss empfunden habe; sein schon aufgewiesener
spiritueller Sensismus scheint ihn dieses Bedürfnisses
überhoben zu haben. Er erhebt nun allerdings gegen die ihm
bekannte Lehre der Aristoteliker, dass der Intellect specifisch
auf das Allgemeine gerichtet sei, den Ein wand, dass unter
dieser Voraussetzung Gott, der die absolute Intelligenz ist, die
Einzeldinge nicht zu erkennen vermöchte. Darauf ist aber zu
bemerken, dass Gott die sinnlichen Einzeldinge gewiss nicht
so erkennt, wie wir sie erkennen; er denkt und erkennt sie
aus der von ihm freiconcipirten Naturidee heraus als deren
nothwendigen Inhalt. Die Erkenntniss dieses Inhaltes muss,
so gewiss das Schaffen kein naturnothwendiger, sondern ein
Act freiester Bewusstheit und reinster Freithätigkeit ist, bis
in’s Einzelnste und Kleinste gehen, und sich auf alle Modalitäten
der auf Grund der göttlichen schöpferischen Setzung vor
sich gehenden Entwickelung der geschaffenen Naturwirklichkeit
beziehen. Da Gott das sichtbare Naturganze in seinem
organischen Zusammenhänge mit der Gesammtschöpfung denkt,
und die Entwickelung der Gesammtschöpfung seinem vorausschauenden
und vorausbestimmenden Denken und Wollen absolut
unterstellt ist, so sind auch alle zufälligen Einwirkungen
des Menschen auf die sichtbare Erdnatur in das vorschauende
Wissen Gottes aufgenommen; es gibt kein noch so kleines
und scheinbar unbedeutendes Geschehen, das für ihn erst dadurch,
dass es sich vollzieht, zur Thatsache würde. Von
diesem Gesichtspunkte aus betrachtet muss man allerdings die
Anschauung, welche das intellectuelle Erkennen in Erfassung
des Allgemeinen, des Generellen und Universellen bestehen lässt,
für eine solche halten, welche den Anfängen des höher
entwickelten philosophischen Denkens angehört, und wofern
man bei ihr stehen bleiben wollte, nicht nur schlechthin unzureichend
wäre, sondern auch eine Menge Schwierigkeiten
schüfe, mit welchen ein religiös gläubiges Denken nicht fertig