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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 73. Band, (Jahrgang 1873)

Die  Psychologie  des  Wilhelm  von  Auvergne.

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dieses  Einzelwesen  erkennt,  die  Folgerung  zieht,  es  müsse  ihr
überhaupt  eigen  sein,  wie  das  Allgemeine,  so  auch  das  Einzelne
zu  erkennen.  Bei  so  beschaffener  Auffassungsweise  muss  man
wohl  auch  zweifeln,  ob  Wilhelm  sich  den  Grund  der  intellectuellen
  Denkfähigkeit  der  Menschenseele,  des  geschöpflichen
Ebenbildes  der  göttlichen  Wesenheit  klar  zu  machen,  je  das
philosophische  Bedürfniss  empfunden  habe;  sein  schon  aufgewiesener ­
  spiritueller  Sensismus  scheint  ihn  dieses  Bedürfnisses
überhoben  zu  haben.  Er  erhebt  nun  allerdings  gegen  die  ihm
bekannte  Lehre  der  Aristoteliker,  dass  der  Intellect  specifisch
auf  das  Allgemeine  gerichtet  sei,  den  Ein  wand,  dass  unter
dieser  Voraussetzung  Gott,  der  die  absolute  Intelligenz  ist,  die
Einzeldinge  nicht  zu  erkennen  vermöchte.  Darauf  ist  aber  zu
bemerken,  dass  Gott  die  sinnlichen  Einzeldinge  gewiss  nicht
so  erkennt,  wie  wir  sie  erkennen;  er  denkt  und  erkennt  sie
aus  der  von  ihm  freiconcipirten  Naturidee  heraus  als  deren
nothwendigen  Inhalt.  Die  Erkenntniss  dieses  Inhaltes  muss,
so  gewiss  das  Schaffen  kein  naturnothwendiger,  sondern  ein
Act  freiester  Bewusstheit  und  reinster  Freithätigkeit  ist,  bis
in’s  Einzelnste  und  Kleinste  gehen,  und  sich  auf  alle  Modalitäten ­
  der  auf  Grund  der  göttlichen  schöpferischen  Setzung  vor
sich  gehenden  Entwickelung  der  geschaffenen  Naturwirklichkeit ­
  beziehen.  Da  Gott  das  sichtbare  Naturganze  in  seinem
organischen  Zusammenhänge  mit  der  Gesammtschöpfung  denkt,
und  die  Entwickelung  der  Gesammtschöpfung  seinem  vorausschauenden ­
  und  vorausbestimmenden  Denken  und  Wollen  absolut ­
  unterstellt  ist,  so  sind  auch  alle  zufälligen  Einwirkungen
des  Menschen  auf  die  sichtbare  Erdnatur  in  das  vorschauende
Wissen  Gottes  aufgenommen;  es  gibt  kein  noch  so  kleines
und  scheinbar  unbedeutendes  Geschehen,  das  für  ihn  erst  dadurch, ­
  dass  es  sich  vollzieht,  zur  Thatsache  würde.  Von
diesem  Gesichtspunkte  aus  betrachtet  muss  man  allerdings  die
Anschauung,  welche  das  intellectuelle  Erkennen  in  Erfassung
des  Allgemeinen,  des  Generellen  und  Universellen  bestehen  lässt,
für  eine  solche  halten,  welche  den  Anfängen  des  höher
entwickelten  philosophischen  Denkens  angehört,  und  wofern
man  bei  ihr  stehen  bleiben  wollte,  nicht  nur  schlechthin  unzureichend ­
  wäre,  sondern  auch  eine  Menge  Schwierigkeiten
schüfe,  mit  welchen  ein  religiös  gläubiges  Denken  nicht  fertig
            
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