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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 73. Band, (Jahrgang 1873)

Die  Psychologie  «les  Wilhelm  von  Auvergne.

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ansehe.  Selbstlieben  ist  Selbstbewegung;  was  durch  sich  selber
bewegt  wird,  bewegt  sich  immerfort,  und  hat  darum,  wie  Plato
im  Phädon  mit  Recht  sagt,  sempiterne  Dauer.  Gesetzt  aber,
die  Seele  lebe  durch  fremde  Influenz,  so  lässt  sich  aus  dem
Wesen  der  Seele  zeigen,  dass  in  ihr  keine  Zuständigkeiten
solcher  Art  eintreten,  welche  dem  Leibe  die  Empfänglichkeit
für  die  Lebenseinflüsse  der  Seele  benehmen;  also  muss  sie
immerfort  leben.  Die  aus  der  gestellten  Alternative  herausleuchtende ­
  Unsicherheit  in  der  Auffassung  der  Art  des  Lebendigseins ­
  der  Seele  lässt  schon  an  sich  den  Werth  der  Beweisführung ­
  zweifelhaft  erscheinen;  jedenfalls  kann  sie  nicht  als
strict  und  zwingend  gelten,  weil  zwingende  Gründe  nur  aus
einer  klaren  und  festen  Grundbestimmung  des  Wesens  der
Seele  abgeleitet  werden  können.  Wilhelm  zeigt  aber  nur,  dass
die  Seele,  man  möge  ihre  Lebendigkeit  in  dieser  oder  in  jener
Weise  fassen,  nicht  nach  Art  des  Körpers  sterben  könne.
Daraus  folgt  indess  noch  keineswegs,  dass  sie  in  keinerlei  Art
zu  sein  aufhören  könne.
Der  eigentliche  Stützpunkt  der  Beweisführung  Wilhelms
für  die  Unsterblichkeit  der  menschlichen  Seele  ist  das  Geschaffensein. ­
  derselben  für  Gott  und  zur  innigsten  Vereinigung
mit  Gott.  Dieses  Finalverhältniss  der  Seele  muss  natürlich
durch  ein  ontologisches  Grundverhältniss  unterbaut  sein;  die
Seele  ist  insofern  zur  innigsten  Vereinigung  mit  Gott  geeigenschaftet,
  sofern  sie  ihrem  Wesen  nach  den  Charakter  der  Gottebenbildlichkeit ­
  an  sich  trägt.  Wilhelm  kommt  wirklich  auch
auf  diesen  Charakter  zu  sprechen, 1  entwickelt  ihn  aber  nicht
mit  Rücksicht  auf  das  rein  philosophisch  zu  bestimmende  Wesen
des  Einen  überweltlichen  Gottes  als  absoluter  Geistigkeit  und
absoluter  Allheit,  sondern  mit  Beziehung  auf  die  vom  christlichen ­
  Glauben  gelehrte  Dreieinheit  des  göttlichen  Wesens.
Damit  ist  abermals  die  philosophische  Ueberzeugung  von  der
Seelenunsterbliehkeit  auf  eine  specifisch  christliche  Glaubensanschauung ­
  gestellt,  rücksichtlich  welcher  natürlich  Wilhelm
nicht  von  ferne  daran  denkt,  sie  in  das  Licht  einer  speculativ
evidenten  Wahrheit  zu  rücken,  obschon  er  es  an  analogischen
Erläuterungen  derselben  nicht  fehlen  lässt.  Aus  den  Tiefen

1  De  an.  VII,  22.
Sitzungsbor.  d.  phil.-hiat.  CI.  LXXIII.  Bd.  II.  Htt.

21
            
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