Die Psychologie «les Wilhelm von Auvergne.
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ansehe. Selbstlieben ist Selbstbewegung; was durch sich selber
bewegt wird, bewegt sich immerfort, und hat darum, wie Plato
im Phädon mit Recht sagt, sempiterne Dauer. Gesetzt aber,
die Seele lebe durch fremde Influenz, so lässt sich aus dem
Wesen der Seele zeigen, dass in ihr keine Zuständigkeiten
solcher Art eintreten, welche dem Leibe die Empfänglichkeit
für die Lebenseinflüsse der Seele benehmen; also muss sie
immerfort leben. Die aus der gestellten Alternative herausleuchtende
Unsicherheit in der Auffassung der Art des Lebendigseins
der Seele lässt schon an sich den Werth der Beweisführung
zweifelhaft erscheinen; jedenfalls kann sie nicht als
strict und zwingend gelten, weil zwingende Gründe nur aus
einer klaren und festen Grundbestimmung des Wesens der
Seele abgeleitet werden können. Wilhelm zeigt aber nur, dass
die Seele, man möge ihre Lebendigkeit in dieser oder in jener
Weise fassen, nicht nach Art des Körpers sterben könne.
Daraus folgt indess noch keineswegs, dass sie in keinerlei Art
zu sein aufhören könne.
Der eigentliche Stützpunkt der Beweisführung Wilhelms
für die Unsterblichkeit der menschlichen Seele ist das Geschaffensein.
derselben für Gott und zur innigsten Vereinigung
mit Gott. Dieses Finalverhältniss der Seele muss natürlich
durch ein ontologisches Grundverhältniss unterbaut sein; die
Seele ist insofern zur innigsten Vereinigung mit Gott geeigenschaftet,
sofern sie ihrem Wesen nach den Charakter der Gottebenbildlichkeit
an sich trägt. Wilhelm kommt wirklich auch
auf diesen Charakter zu sprechen, 1 entwickelt ihn aber nicht
mit Rücksicht auf das rein philosophisch zu bestimmende Wesen
des Einen überweltlichen Gottes als absoluter Geistigkeit und
absoluter Allheit, sondern mit Beziehung auf die vom christlichen
Glauben gelehrte Dreieinheit des göttlichen Wesens.
Damit ist abermals die philosophische Ueberzeugung von der
Seelenunsterbliehkeit auf eine specifisch christliche Glaubensanschauung
gestellt, rücksichtlich welcher natürlich Wilhelm
nicht von ferne daran denkt, sie in das Licht einer speculativ
evidenten Wahrheit zu rücken, obschon er es an analogischen
Erläuterungen derselben nicht fehlen lässt. Aus den Tiefen
1 De an. VII, 22.
Sitzungsbor. d. phil.-hiat. CI. LXXIII. Bd. II. Htt.
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