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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 73. Band, (Jahrgang 1873)

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W  e  r  n  e  r.

verträgt,  dass  sie  je  an  ein  zeitliches  Ende  ihrer  Dauer  gelangte. ­
  Wenn  nun  dennoch  eine  continuirliche  Action  Gottes
als  absolute  Bedingung  ihrer  Dauer  p'ostulirt  wird,  so  kann
diese  continuirliche  Action  nur  den  Einen  Act  des  Schaffens
bedeuten,  der  als  absoluter  göttlicher  Act  ein  unvergänglicher
Act  ist  und  als  solcher  niemals  der  Vergangenheit  anheimfällt,
und  daher  auch  durch  keinen  entgegengesetzten  göttlichen  Act
aufgehoben  werden  kann.  Etwas  anderes  ist  es  um  die  ewige
Beglückung  der  Seele  in  Gott;  diese  ist  dem  Begriffe  und  der
Sache  nach  von  der  ewigen  Dauer  der  selbstigen  Seele  verschieden, ­
  und  irivolvirt  eine  durch  die  vollkommene  Vereinigung
der  Seele  mit  Gott  bedingte  continuirliche  Einströmung  aus
Gott  als  absoluter  Quelle  des  seligen  Lebens.  Was  der  Christ
das  ewige  Leben  nennt,  bezieht  sich  auf  eine  bestimmte  Zuständlichkeit
  der  ewigen  Seelendaüer,  und  bezeichnet  die  absolute ­
  Vollendung  der  Seele  in  Gott.
Das  vorerwähnte  Argument  Wilhelms  erhärtet  eigentlich
nur  die  Möglichkeit  einer  ewigen  Seelendauer;  die  Denknothwendigkeit
  einer  solchen  Dauer  vergewissert  sich  ihm  aus  der
Befähigung  der  Seele  zu  einem  unbegrenzten  Fortschreiten  in
der  Erkenntniss  und  in  der  Tugend.  Freilich  begründet  auch
diese  Befähigung,  wie  Wilhelm  selber  fühlt,  zunächst  abermals
nur  die  Fähigkeit  einer  ewigen  Dauer,  nicht  diese  sempiterne
Dauer  selber,  es  ist  ihm  jedoch  undenkbar,  dass  jener  Befähigung ­
  zu  einem  unbegrenzten  Fortschreiten  nicht  auch  ein
wirkliches  derartiges  Fortschreiten  entsprechen  sollte,  daher
dann  auch  an  der  Wirklichkeit  der  Seelenunsterblichkeit  nicht
zu  zweifeln  sei.  Wir  müssen  die  philosophische  Giltigkeit
dieser  Art  von  Beweisführung  entschiedenst  in  Abrede  stellen.
Angenommen,  Wilhelms  Schlussfolgerung  wäre  vollkommen
zwingend,  so  würde  sie  nur  eine  perpetuirliche  Annäherung
der  Seele  an  ihr  Ziel  ohne  Erreichung  desselben  beweisen  —
ein  Sein  in  unendlicher  Zeit,  aber  nicht  ein  über  die  Zeit
erhabenes  Sein  in  ewiger  Gegenwart.  Die  wirkliche  Erreichung
des  absoluten  Zieles  ist,  wie  Wilhelm  doch  gewiss  bestimmt
überzeugt  ist,  die  vollkommene  Vereinigung  der  Seele  mit  Gott,
wodurch  die  Seele  über  die  Zeit  emporgehoben  wird.  Diese
Emporhebung  der  Seele  aber  über  sich  selbst  und  ihr  natürliches ­
  Sein  ist,  wie  Wilhelm  abermals  überzeugt  ist,  ein  Werk
            
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