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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 73. Band, (Jahrgang 1873)

Die  Psychologie  des  Wilhelm  von  Auvergne.

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weil  er  für  Aufgaben  w r eit  höherer  Art  vorbereitet  werden
muss,  und  die  Functionen  seines  ohne  Vergleich  höheren
Lebensberufes  nicht  mit  blinder  Noth  Wendigkeit  und  aus  Antrieben ­
  eines  ihn  beherrschenden  Naturinstinktes,  sondern  durch
überlegtes  freithätiges  Handeln  entrichten  soll.  Gegen  den  von
Alexander  Halesius  reproducirten  Gedanken  Wilhelms,  dass
zufolge  dos  Dienstverhältnisses,  in  welchem  der  Leib  zur
selbstigen  Seele  steht,  der  Mensch  schon  im  Stande  der  frühesten ­
  Kindheit  über  alle  Organe  seines  Leibes  frei  und  sicher
disponiren  sollte  können,  hat  bereits  Thomas  Aquinas  1  bemerk  -
lich  gemacht,  dass  der  Mensch  nach  seiner  physischen  Seite  *
den  Gesetzen  des  Wachsthums  der  physischen  Organismen
unterstellt  sei;  diese  Gesetze  brächten  es  mit  sich,  dass  im
Kinde  das  Gehirn  sich  am  frühesten  entwickele  und  zugleich
durch  sein  Schwergewicht  prävalire,  woraus  die  Unbeholfenheitszustände
  des  frühesten  Kindesalters  ganz  natürlich  sich
erklärten.  Wenn  Wilhelm,  um  seine  Ansicht  von  der  Sache
durch  möglichst  viele  Argumente  zu  erhärten,  auch  seinen
Illuminismus  herbeizieht,  so  dient  dicss  nur  dazu,  die  Incongruenz
  und  Verschobenheit  seines  vermeintlichen  christlichen
Philosophismus  recht  auffallend  bemerklich  zu  machen.  Da
das  Licht  der  natürlichen  Einsicht  vom  lumen  primum  ausfliessc,
  bemerkt  Wilhelm, 2  so  sollte  die  Menschenseele,  die
jenem  lumen  doch  ungleich  näher  stehe,  als  die  Thierseele,
auch  ungleich  mehr  Erleuchtungen  in  Bezug  auf  die.  natürlichen
Geschicklichkeiten  in  Erwerb  der  Nahrung,  Erhaltung  und  Vor
theidigung  des  Lebens  u.  s.  w.  von  Natur  aus  eigen  haben,
als  die  Thierseele.  Nun,  diese  Erleuchtungen  gehen  den  Menschenseelen ­
  auch  im  Stande  der  gefallenen  Natur  nicht  ab;
Beweis  dafür  ist  das  gesammte  menschheitliche  Culturleben
mit  seinen  auf  Erhaltung  und  Pflege  des  leiblichen  Seins  und
Wohlseins  abzweckenden  Einrichtungen,  Künsten  und  Fertigkeiten, ­
  die  auf  eine  im  grossartigsten  Massstabe  betriebene
Ausbeutung  der  gesarnmteu  sichtbaren  Wirklichkeit  für  die
Zwecke  des  sinnlich-leiblichen  Zeitdascins  dos  Menschen  gegründet ­
  sind.  Diese  Einrichtungen,  Künste  und  Fertigkeiten
1  Summ,  theol.  1,  qu.  99,  art.  1.
2  De  an.  V,  12.
            
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