Die Paycliologie des Wilhelm von Auvergne.
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gethan; in Folge der mit dem Menschen gebornen Verkehrtheit
seines Willens- und Strebevermögens, das, statt auf Gott als
seinen natürlichen Gegenstand gerichtet zu sein, vielmehr auf’s
Sinnliche und Irdische gerichtet ist, dann auch jene Verdunkelung
und Niederhaltung der intellectiven Erkenntnisskraft der
Seele, die nur durch die Gnade des christlichen Heiles wieder
gehoben werden kann. Diese schroffe Gegenüberstellung der
Blindheit des gefallenen Menschen und der erleuchteten Christlichkeit
deutet auf eine Lücke in Wilhelms Denkzusammenhange
hin, die freilich im Zeitalter der scholastisch-theologischen
Bildung niemals gefühlt, aber auch späterhin nicht sofort entdeckt
und ausgefüllt wurde, nämlich das völlige Uebersehen
eines traditionellen menschheitlichen Erbes religiös-sittlicher
Anschauungen, ohne welche ein historisches Culturleben- der
Menschheit gar nicht denkbar wäre, und welches, in den einzelnen
Kreisen und Epochen des gemeinmenschlichen Culturlebens
wie immer gestaltet und modificirt, doch allenthalben,
wo es - vorhanden ist, jeden Einzelnen, der an diesem Erbe
Theil hat, bis zu einem bestimmten Grade geistig hält und
trägt, und ihm auch ausserhalb der christlichen Heilsgemeinschaft
ein gewisses. Mass von religiöser Erkenntniss und sittlicher
Bildung möglich macht. Diess ist einer jener Punkte,
an welchen sich deutlich offenbart, dass das christlich-theologische
Denken, um sich dem gemeinmenschlichen Denken und Fühlen
zu bewahrheiten, sich auf dem Grunde des gemeinmenschlichen
Culturlebens mit sich selber vermitteln müsse. Es genügt nicht
zu sagen und zu zeigen, was in Folge des ersten Falles aus
dem Fallenden selber und dem gesammten ihm entstammten
Geschlechte geworden ist und werden musste; es müssen auch
die vom Anbeginn her in der Geschichte des gefallenen Geschlechtes
wirksamen Mächte der Rettung und Heilung, nicht
bloss die übernatürlichen, sondern auch die natürlichen, in’s
Auge gefasst, und es muss gezeigt werden, wie die Gesammtheit
und jeder Einzelne in ihr durch diese von Anbeginn her
vorgesehenen Mittel und Thaten der Rettung, in denen Gott
selbst ist, gehalten und getragen ist. Darauf zu advertiren,
möchte insbesondere von jenem Standpunkte nahe liegen, der
die menschliche Seele in eine so nahe Gegenwart des Göttlichen
rückt, wie es von Seiten Wilhelms der Fall ist; aber