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Werner.
was er aufzeigen will. Verhielte sich die Seele im intellectiven
Erkennen nicht activ — sagt Wilhelm — so gäbe es keine
Denkanstrengung und Mühe des Studirens; ihre Erkenntnisse
stünden im Range nicht höher als die durch sinnlichen Augenschein
erworbenen Erkenntnisse; es könnte von keinen Tugenden
des Intellectes die Rede sein u. s. w. Diess und anderes,
was Wilhelm weiter noch bemerkt, ist an sich ganz richtig;
aber das active Verhalten der Seele in Erzeugung und Hervorbildung
ihrer Erkenntnisse ist damit nicht erklärt und aufgehellt.
Was Wilhelm über das Erkenntnissieben der Seele beibringt,
reducirt sich auf Hervorhebung des wahren und eigentlichen
Gegenstandes der menschlichen Erkenntniss, der kein
anderer als Gott ist, so dass ohne lebendige Erkenntniss Gottes
der Erkenntnisshunger der menschlichen Seele schlechthin ungestillt
bleibt. 1 Die eigentliche Heimath der menschlichen
Seele als intellectiven Wesens ist die Welt der Intelligibilien;
das Universum intelligibile ist aber eben der Schöpfer selber
als lichtestes und distinctestes Urbild des Universums. Demzufolge
kann auch die Seele ntir zufolge einer innigsten Vereinigung
mit Gott zur Erkenntniss aller Wahrheit und somit
zur Befriedigung ihres intellectiven Bedürfnisses und Strebens
gelangen. Ihr Verhältniss zum Schöpfer kann nach dieser
Seite mit dem Verhältniss eines minder reinen und minder
glatten Spiegels zu einem vollkommen reinen und hellen Spiegel
verglichen werden; bringt man den minder vollkommenen
Spiegel in die rechte Stellung zum vollkommenen, so wiederscheinen
in ihm die Bilder, die der vollkommene Spiegel aufzeigt.
Gott ist als lichtstrahlende veritas prima nicht blos das
absolute Object, sondern auch der absolute Mittler aller intellectiven
Erkenntniss der Seele, 2 und ist ihr zufolge ihrer gottverwandten
Wesenheit auch an sich allezeit nahe, wofern nicht
sie selber ohne Gottes Zuthun und gegen seinen Willen von
ihm abgewendet ist. Ein solches Abgewendetsein ist nun, wie
wir bereits oben aus ^Vilhelms Munde hörten, in Adams gefallenem
Geschlechte allen Menschenseelen von Geburt an an-1
De an. VII, 2.
2 De an. VII, 7.