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Werner.
Strebethätigkeit sein müsse, als dass er das absolute Ziel derselben
sei, wie er denn ganz gewiss nicht das absolute Ziel,
sondern vielmehr das absolute Complement derselben ist, kraft
dessen der Mensch oder die Seele in den von ihr absolut
begehrten Stand der Befriedigung und Vollendung emporgehoben
wird.
Wilhelms Lehre vom Gewissen steht in genauem Zusani;
menhange mit seiner gesammten Erkenntnisslehre. Er bestreitet
die Annahme eines intellectus agens als eines vom intellectus
materialis oder possibilis verschiedenen Vermögens, 1 und natürlich
noch mehr Avicenna’s Lehre vom intellectus agens als
einer vom Seelenwesen verschiedenen höheren himmlischen
Potenz, die zwischen Gott uud der Seele stünde. Seine Gründe
gegen die erstere Annahme, nämlich gegen die Lehre vom
intellectus agens als besonderem Seelenvermögen, sind zum
Thoile dieselben, die er gegen die Abscheidung der Seelenkräfte
vom Seelenwesen im Allgemeinen richtet, theils aber
sind sie aus seiner Grundansicht über die Natur und Art des
menschlichen Erkennens geschöpft. Seine Erkenntnisslehre ist
empiristischer Uluminismus in Verbindung mit platonischen
Elementen, die sich in den Sätzen, dass das Reich der Intclligibilien
die wahre Heimath der Seelen sei und die Irrthümer
aus der Versenkung in’s Sinnliche entspringen, aussprechen.
An die Grenzscheide zweier Welten gestellt 2 communicirt die
Seele mittelst ihres Leibes mit der Körperwelt, die andere
Welt aber ist der Schöpfer selber als Archetyp der Schöpfung
und Spiegel der Intelligibilien; 3 in diesem Spiegel schaut die
Seele die obersten Denkwahrheiten und Gesetze der Sittlichkeit,
daselbst ist der Gesammtschatz aller jener Erkenntnisse
aufgehoben, die der geschaffene Intellect nicht durch sich,
sondern im Lichte der Gnade erschaut. So ist der Schöpfer
gleichsam ein lebendiges Buch, in welchem die Seelen unmittelbar
lesen, ein formenbildender Spiegel (speculum formificum),
in den sie schauen, so dass also die Seelen nicht nöthig
1 De an. VII, 3—5; cfr. IV, 7. 8.
2 De an. VII, G.
3 Speculum universalis et lucidissimae apparitionis universalig primorum
intelligibilium. Ibid.