Die Psychologie des Wilhelm von Auvergne.
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den Willen oder das Vermögen der persönlichen Selbstbestimmung
zu bedeuten. liier treffen wir wieder auf die schon erwähnte
leere Stelle der scholastischen Psychologie, die vom
Gemüth, als einer von Intellect und Willen verschiedenen seelischen
Potenz nichts weiss; obwohl wir nicht verschweigen dürfen,
dass diese Lücke in der peripatetischen Scholastik doch etwas
besser verdeckt, ja für denjenigen, der vom Personsbegriffe
abstrahirt, nahezu ganz verstellt ist. Als richtig können wir
die scholastisch-peripatetischeSehematisirung der Thelematologie
freilich nicht gelten lassen. Der Wille als Vermögen der persönlichen
Selbstbestimmung ist uns keine vom Wesen der Seele
verschiedene Potenz, sondern die unmittelbare Manifestation
ihres personhaften Wesens und ihrer selbstigen Entschiedenheit;
auch halten wir es nicht für zutreffend, dem Willen als
solchem die specifische Beziehung auf das Gute als solches zu
geben, der Wille geht als solcher einzig auf die Tliat. Das
Gute als solches ist Gegenstand des Begehrens; der Wille
aber begehrt nicht, sondern handelt. Wenn also Thomas
Aquinas das höhere Begehren der Seele, welches er von dem
durch die vis irascibilis und vis concupiscibilis repräsentirten
sinnlichen Begehren abscheidet, in die menschliche Willensanlage
verlegt, so sehen wir hierin eine Fusion von Herz und
AVille, welche zu beseitigen schon der reine, scharfe Begriff
vom Willen als solchem nöthig macht. Weiter aber ist auch
in dem sogenannten höheren oder selbstigen Begehren d. i. in
jenem Begehren, welches dem seelischen Willen nicht durch
das sinnliche Triebleben aufgedrungen wird, eine doppelte Art
des Begehrens zu unterscheiden, deren eine die Wahrung und
Behauptung des eigenen Selbst, die andere aber die Erfüllung
und Befriedigung der Seele in ihrem absoluten Gute zum Gegenstände
hat. Sofern die vis irascibilis wirklich einen besonderen
Grandtrieb der Seele bezeichnen soll, wird sie den der menschlichen
Seele grandhaft eignenden Selbstbehauptungstrieb zu bedeuten
haben, kraft dessen dieselbe Alles, was ihr ungestörtes
Selbstsein bedroht, mit Entrüstung abwehrt. Die vis irascibilis
einfach der sensitiven Seele beilegen, wie bei Aristoteles und
Thomas Aquinas geschieht, beruht auf einem völligen Hinwegsehen
vom Personscharakter der menschlichen Seelenindividualität,
und legt einen der Mängel bloss, an welchen die auf