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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 73. Band, (Jahrgang 1873)

durch  die  Sünde  vitiirten  Menschenwesens  kommen,  und  zu
keinem  speculativen  Verständniss  der  in  den  Zuständen  des
gefallenen  Geschlechtes  durchgreifenden  Vorkehrungen  und  Erweisungen ­
  einer  göttlichen  Rettungsmacht  zur  Erhebung-  des
Menschen  über  sich  selbst  und  über  die  durch  seine  Schuld
geschaffene  Un  Vermöglichkeit  und  Unzureichendheit  seines
Ringens  nach  den  Zielen  seiner  letzten,  höchsten  Vollendung.
Wenn  Gott,  wie  Augustinus  sagt,  den  Menschen  nach  sich
gemacht  hat,  und  dieses  Gemachtsein  nach  Gott  die  Grundsignatur ­
  seines  specifischen  Wesens  ist,  so  ist  nicht  nur  Gott
der  absolute  Gegenstand  seines  innersten  ihm  eingeschaffenen
seelischen  Begehrens,  sondern  auch  seine  gesammmte  seelische
Lebensthätigkeit  nichts  anderes  als  eine  Auswickelung  und  Bekundung ­
  dieses  so  zu  sagen  naturnothwendigen  Streb'ens  und
Begehrens  seiner  Seele.  Die  menschliche  Seele  ist  gottesbildlich ­
  als  denkhafte  Substanz;  sie  bekundet  ihr  denkhaftes  Wesen
in  allen  ihren  Lebensthätigkeiten,  die  sämmtlich  denkhafter
Natur  sind,  angefangen  von  der  untersten  leibgestaltenden  Wirksamkeit, ­
  in  welcher  die  Seele  einen  sichtbaren  Ausdruck  und
Abdruck  ihrer  geistigen  Gottesbildlichkeit  im  Stoffe  setzt,  bis
hinan  zur  höchsten  und  obersten  ihrer  Thätigkeiten,  in  welcher
sie  als  denkende  und  wollende  unmittelbar  auf  ihr  göttliches
Urziel  d.  i.  auf  ihre  vollkommene  Conformation  mit  ihrem  göttlichen ­
  Urbilde  gerichtet  ist.  Diese  Conformation  ist  natürlich
geistiger  Art,  und  bezweckt  die  Erhebung  der  Seele  und  des
ganzen  Menschen  in  den  Stand  der  höchsten  und  vollkommensten ­
  für  ihn  erreichbaren  Geistigkeit  und  geistigen  Selbstmächtigkeit ­
  d.  i.  die  vollkommene  Ausgeburt  der  die  absolute  göttliche ­
  Persönlichkeit  nachbildenden  creatürlich-menschlichen
Personhaftigkeit,  die  aus  dem  Erfülltsein  mit  dem  absoluten
und  wahrhaften  geistigen  Lebensinhalte  der  Seele  und  des
Menschen  hervorgeht.  Der  erste,  unmittelbare  Ansatz  der
menschlichen  Selbstigkeit  und  Personhaftigkeit  ist  das  menschliche ­
  Herz  mit  seinen  auf  die  Selbstbeglückung  des  Menschen
gerichteten  Gedanken  und  Strebungen;  die  aus  dem  Erfülltsein ­
  mit  dem  absoluten  und  wahrhaftigsten  Lebensinhalte  der
Seele  hervorgehendc  menschliche  Personhaftigkeit  muss  demnach ­
  aus  dem  von  Gott  erfüllten  Menschenherzen  hervorgeboren
werden,  das  menschliche  Herz  ist  die  Stätte  der  primitiven
            
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