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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 73. Band, (Jahrgang 1873)

Die  Psychologie  des  Wilhelm  von  Auvergne.

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dem  Begehren  der  Seele  nach  absoluter  Befriedigung  und  Erfüllung', ­
  welchem  Augustinus  in  den  bekannten  Eingangsworten
seiner  Bekenntnisse  unsterblichen  Ausdruck  verliehen  hat.  1
Hätte  Wilhelm  dieses  augustinische  Wort  von  dem  nach  Gott
geschaffenen  Menschen  als  Ausgangspunkt  und  Ziel  seiner
psychologischen  Erörterungen  festgehalten,  so  hätte  sich  unzweifelhaft ­
  eine  ganz  andere  Auffassung  und  Darlegung  seiner
anthropologischen  und  psychologischen  Anschauungen  ergeben
müssen,  als  jene  ist,  die  er  in  seinem  Werke  de  anima  zu  bieten ­
  hat.  Was  Wilhelm  hier  giebt,  ist  einfach  nur  ein  völlig
unspeculatiyer  christlicher  Moralismus,  der  sich  in  der  Auseinandersetzung ­
  und  Schilderung  der  Incpngruenz  zwischen  der
thätsächlichen  Beschaffenheit  des  Menschen  und  dem,  was  er
am  Anfahge  war,  ergeht.  2  Allein  auch  das,  was  der  Mensch
am  Anfang  war,  erscheint  bei  Wilhelm  nicht  als  ein  der  Idee
des  Menschen  eongruenter  Zustand,  da  jener  Anfangszustand,
wie  er  ihn  bezeichnet,  der  einer  bloss  natürlichen  Glückseligkeit ­
  war,  somit  den  übernatürlichen  Vollendungsstand
unermesslich  hoch  über  sich  hatte.  Jenes  endliche  Ruhen  der
Seele  oder  des  Menschen  in  Gott,  von  welchem  Augustinus
spricht,  ist  nach  Wilhelm  einfach  nur  ein  dem  geistigen  .Erfassen ­
  des  Zeitmenschen  entrückter  Zustand;  somit  lässt  sich
auch  von  Wilhelm  nicht  erwarten,  dass  er  ein  in  Wesen  und
Organisation  der  menschlichen  Seele  oder  der  menschlichen
Natur  begründetes  Angelegtsein  auf  ein  endliches  Gelangen
des  Menschen  zu  einer  innigsten  Einigung  mit  Gott  aufzeige.
Fehlt  es  an  einer  solchen  Aufzeigung,  so  fehlt  es  überhaupt
an  der  Erfassung  einer  christlich-philosophischen  Idee  vom
Menschen;  demzufolge  kann  es  auch  zu  keiner  tiefer  dringenden ­
  Beleuchtung  des  Verhältnisses  zwischen  der  Idee  des  Menschen ­
  und  der  thätsächlichen  wirklichen  Beschaffenheit  des
1  Magnus  es  Domine,  et  laudabilis  valde;  magna  virtus  tua,  et  sapientise
tuse  non  est  niunerus.  Dt  laudare  te  vult  homo,  aliqua  portio  creaturae
tuae;  et  homo  circumferens  testimonium  jmecati  sui,  et  testimonium  quia
superbis  resistis,  et  tarnen  laudare  te  vult  homo  aliqua  portio  creaturae
tuae.  Tu  excitas,  ut  laudare  te  delectet,  quia  fecisti  nos  ad  te,  et  inquietum
est  cor  nostrum,  donec  requiescat  in  te.  Confess.  I,  1
2  Vgl.  insbesondere  de  an.  V,  10—13;  19.  20,
3  De  an.  VI,  20.
            
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