Die Psychologie des Wilhelm von Auvergne.
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dem Begehren der Seele nach absoluter Befriedigung und Erfüllung',
welchem Augustinus in den bekannten Eingangsworten
seiner Bekenntnisse unsterblichen Ausdruck verliehen hat. 1
Hätte Wilhelm dieses augustinische Wort von dem nach Gott
geschaffenen Menschen als Ausgangspunkt und Ziel seiner
psychologischen Erörterungen festgehalten, so hätte sich unzweifelhaft
eine ganz andere Auffassung und Darlegung seiner
anthropologischen und psychologischen Anschauungen ergeben
müssen, als jene ist, die er in seinem Werke de anima zu bieten
hat. Was Wilhelm hier giebt, ist einfach nur ein völlig
unspeculatiyer christlicher Moralismus, der sich in der Auseinandersetzung
und Schilderung der Incpngruenz zwischen der
thätsächlichen Beschaffenheit des Menschen und dem, was er
am Anfahge war, ergeht. 2 Allein auch das, was der Mensch
am Anfang war, erscheint bei Wilhelm nicht als ein der Idee
des Menschen eongruenter Zustand, da jener Anfangszustand,
wie er ihn bezeichnet, der einer bloss natürlichen Glückseligkeit
war, somit den übernatürlichen Vollendungsstand
unermesslich hoch über sich hatte. Jenes endliche Ruhen der
Seele oder des Menschen in Gott, von welchem Augustinus
spricht, ist nach Wilhelm einfach nur ein dem geistigen .Erfassen
des Zeitmenschen entrückter Zustand; somit lässt sich
auch von Wilhelm nicht erwarten, dass er ein in Wesen und
Organisation der menschlichen Seele oder der menschlichen
Natur begründetes Angelegtsein auf ein endliches Gelangen
des Menschen zu einer innigsten Einigung mit Gott aufzeige.
Fehlt es an einer solchen Aufzeigung, so fehlt es überhaupt
an der Erfassung einer christlich-philosophischen Idee vom
Menschen; demzufolge kann es auch zu keiner tiefer dringenden
Beleuchtung des Verhältnisses zwischen der Idee des Menschen
und der thätsächlichen wirklichen Beschaffenheit des
1 Magnus es Domine, et laudabilis valde; magna virtus tua, et sapientise
tuse non est niunerus. Dt laudare te vult homo, aliqua portio creaturae
tuae; et homo circumferens testimonium jmecati sui, et testimonium quia
superbis resistis, et tarnen laudare te vult homo aliqua portio creaturae
tuae. Tu excitas, ut laudare te delectet, quia fecisti nos ad te, et inquietum
est cor nostrum, donec requiescat in te. Confess. I, 1
2 Vgl. insbesondere de an. V, 10—13; 19. 20,
3 De an. VI, 20.