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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 73. Band, (Jahrgang 1873)

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Werner.

activen  Continirens  und  Durchdringens  des  Leibesgebildes  bemerkt ­
  hatte.  Der  Grund  der  Identification  beider  Arten  von
Präsenz  liegt  darin,  dass  er  das  Empfinden  d.  h.  das  Innewerden ­
  sinnlicher  Eindrücke  für  eine  operatio,  also  für  eine
active  Bethätigung  der  Seele  im  Leibe,  und  somit  für  eine
Bekundung  ihrer  activen  Präsenz  im  Leibe  nimmt.  Da  er  die
analogische  Beschaffenheit  des  Verhältnisses  Gottes  zum  Universum ­
  als  Vorbildung  des  Verhältnisses  der  menschlichen  Seele
zu  dem  ihr  eignenden  Leibe  anerkennt,  so  muss  man  wohl
sich  billig  wundern,  dass  sich  keiner  seiner  Gedanken  auf  die
Impassibilität  Gottes  lenkte,  der,  wie  Wilhelm  als  Theolog
wissen  musste,  erst  zufolge  seiner  Incarnation  passibel  d.  h.
ein  mit  den  sterblichen  Menschen  Mitfühlender  und  Mitleidender ­
  geworden  ist.  Der  Unterschied  zwischen  Gott  und  der
menschlichen  Seele  ist  eben  dieser,  dass  Gott  die  Welt  umfasst ­
  und  durchdringt  ohne  in  ihr  enthalten  zu  sein,  während
die  Seele  den  Leib  nicht  bloss  umfasst,  sondern  auch  in  ihm
enthalten  ist,  so  dass  das  Umfassen  ein  wechselseitiges  ist,  mit
dem  Unterschiede  jedoch,  dass  primär  der  Leib  in  der  Seele,
und  erst  secundär  auch  die  Seele  im  Leibe  enthalten  ist  (anima
corpus  continet  et  in  corpore  continetur).  In  Folge  dieses
passiven  Enthaltenseins  im  Leibe  ist  die  Seele  empfindungsfähig;
  sie  vermag  ihn  nämlich  nicht  so  ausser  sich  und  unter
sich  zu  halten,  wie  Gott  die  Welt  ausser  sich  und  unter  sich
hält,  sie  ist  mit  ihm  zu  Einem  Wesen  in  einsgebildet,  und
ihre  selbsteigene  geistig-sittliche  Entwickelung  und  Ausgestaltung ­
  von  dieser  Ineinsbildung  abhängig  gemacht.
Indem  die  Seele  ihren  Leib  sich  anbildet,  nimmt  sie  den
Stoff  desselben  in  sich  hinein,  um  ihn  als  gestalteten  wieder
aus  sich  hervorzustellen;  dieses  Insichhineinnehmen  und  Wiederaussiehhervorstellen
  ist  ein  continuirlicher  Act  der  Seele
während  der  ganzen  Zeitdauer  ihrer  Verbindung  mit  dem
Leibe.  Indem  sie  ihn  continuirlich  aus  sich  herausstellt,  schafft
sie  ihm  continuirlich  seinen  locus  proprius,  innerhalb  dessen
auch  sie  selber  in  so  weit  stellt,  als  sie  in  ihren  Verrichtungen
von  dem  ihr  angebildeten  Leibe  als  Organ  ihrer  Thätigkeiten
und  Wirksamkeiten  abhängig  ist.  Es  ist  demzufolge  unrichtig,
wenn  Albertus  Magnus  ein  solches  Enthaltensein  der  Seele  im
            
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