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W erne r.
Vermittelung der beiderseitigen Anschauungsweisen in sich
enthalten.
Das ideell Wahre und von den streitigen Bestimmungen
des scholastischen Substanzbegriffes unabhängig Geltende in der
peripatetisch-scholastischen Bestimmung des Begriffes der Seele
als Wesensform des Menschen ist diess, dass der menschliche
Leib, obwohl er als physischer Körper seinen eigenen Ort hat,
doch zugleich auch als Leib in die Seele als seinen höheren
Ort hineingerückt und von der continirenden Macht der Seele
umfasst ist. Auch Wilhelm von Auvergne vermag sich der
Wahrheit dieses Gedankens nicht zu entziehen, 1 und weist
zur Begründung desselben ausdrücklich auf die aristotelische
Auffassung der Seele als Wesensform des Leibes hin; er hebt
auch ganz richtig das analogische Verhältniss des Schöpfers
zum Universum hervor, als dessen Nachbildung das Verhältniss
der menschlichen Seele zu dem ihr eignenden Leibe anzusehen
sei, indem die Seele durch ihren Machteinfluss den Leib eben
so umschliesse und durchdringe, wie der Schöpfer das Universum.
Er gibt aber offen zu erkennen, dass diese ganze Anschauungsweise
nicht eine aus seinem eigenen Denken herausgewachsene,
sondern die eines Anderen sei, mit welcher er sich zurechtzusetzen
sucht; ihm selber liegt es ungleich näher, die entgegengesetze
Seite im Wechsel Verhältnisse von Seele und Leib,
welcher gemäss die Seele in den Ort des Leibes hineingerückt
und von demselben umschlossen ist, in’s Auge zu fassen. Wilhelm
kommt auf dieses Verhältniss zu sprechen aus Anlass der
Meinung Jener, welcher der Seele zufolge ihrer Spiritualität
ein derartiges örtliches Sein im Leibe absprechen. Er hält
ein solches örtliches Sein der Seele im Leibe für nothwendig
zufolge der Schwäche und Unvollkommenheit der virtus imperativa
der menschlichen Seele, 2 welche die Glieder und
Organe des Leibes nicht durch ihren blossen Befehl bewegen
kann, sondern, um sie bewegen zu können, mit ihnen auf eine
geeignete Art verbunden sein muss, ungefähr wie die Laute
oder der Hobel mit der Hand oder den Fingern des Citherspielers
oder Tischlers. Dieses örtliche Sein der Seele im
1 De an. III, 35. 36.
2 De an. VI, 37.