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Werner.
Signatur ihres begränzten creatürlichen Seins behaftet sein müsse.
Wir wollen nicht verhehlen, dass uns der von Wilhelm betonte
Gedanke einer relativen Nachbildung der absoluten göttlichen
Vermöglichkeit durch die Vermöglichkeit der gottebenbildlichen
menschlichen Seele einen geeigneteren Anhaltspunkt für eine
lebendige Anschauung vom Wesen der geistbegabten selbstigen
Menschenseele zu bieten scheint, als die abstract formalistische
Lehre der scholastisch - aristotelischen Philosophie von einer
metaphysischen Zusammengesetztheit der Seele, deren weitere
Ausbildung ein ganzes Gespinnst von Subtilitäten aus sich heraussetzte,
ohne dass hiedurch das lebendige Wesen der Seele
dem philosophischen Verständniss näher gerückt worden wäre.
Andererseits darf aber nicht verschwiegen werden, dass jener
bei Wilhelm gelegentlich einmal aufdämmernde Lichtgedanke
eine taube Bliithe war, die keine Frucht ansetzte; eben diese
Magerkeit und Unfruchtbarkeit, die dem mittelalterlichen Augustinismus
in speculativer Beziehung anhaftet, war eine der Ursachen,
die dem empiristischen Realismus der aristotelischen
Philosophie Vorschub leistete, und eine Befruchtung und Ausfüllung
des rationalen Denkens durch ihn als Bedürfniss fühlen
liess.
Der scholastische Peripatetismus fasst das Verhältniss des
Seelischen und Leiblichen im Menschen als ein möglielit inniges,
und erkennt im Menschen eine plastische Einheit, wie diess
durch die Idee der Seele als Wesensform von selber nahe gelegt
war. In Folge dessen, dass der Mensch als plastische
Einheit gefasst wurde, sah man sich darauf hingewiesen, die
Seele als constitutiven Theil des Menschenwesens zu bestimmen;
und zwar geschah diess im bewussten und ausgesprochenen
Gegensätze zu den Theologen des 12. Jahrhunderts, soferne
diese mit Rücksicht auf den Personscharakter der menschlichen
Seele die Bestimmung derselben als eines blossen Wesentliches
ausdrücklich abgelehnt hatten. 1 Zu diesen Theologen gehörten
Petrus Lombardus, Abälard, Hugo von St. Victor, Robert Pulleyn,
Peter von Poitiers, Robert von Melun, der Verfasser der
Schrift de spiritu et anima. Auch Wilhelm von Auvergne
steht auf Seite dieser Theologen, 2 obschon er sich das Bedenken
1 Vgl. Werner, Thomas Aq. I, S. 3ß6.
2 De au. III, 11.