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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 73. Band, (Jahrgang 1873)

Die  Psychologie  des  Wilhelm  von  Auvergne.

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mit  der  completen  Hervorbiklung  des  Menschenwesens  aus  der
Samensubstanz  zu  Ende  sei.  Das  Verhältniss  der  Einen  Seeleusubstanz
  zu  jenen  drei  Arten  ihrer  Bethätiguug  im  vegetativen,
sensitiven,  intellectuellen  Leben  wird  von  Albert  als  jenes  eines
totum  potestativiun  zu  seinen  partes  potestativae  gefasst.  Daraus
geht  aber  zugleich  hervor,  dass  die  Seele  nicht  in  jener  Weise,
wie  Wilhelm  von  Auvergne  es  will,  als  reine  Form  gefasst
werden  könne;  reine  Form  besagt  bei  ihm  so  viel  als  einfache
Form  (forma  simplex),  und  diese  reicht  nach  Albert  eben  nur
dazu  aus,  einen  natürlichen  actus  generativus  zu  vollführen,  1
dessen  Product  durch  seine  natürliche  Beschaffenheit  an  einen
bestimmten  Ort  gewiesen  ist,  und  durch  seine  Form  nicht  willkürlich ­
  an  einen  anderen  Ort  versetzt  werden  kann.  Die  menschliche ­
  Seele  muss  also,  soforn  sie  mehr  als  blosses  Vegetatiousprincip
  ist,  ein  Compositum  sein.  Die  Elemente  der  Zusammensetzung ­
  sind  das  motum  appetitivum  und  das  movens  cognitivum;
  denn  wie  Augustinus  und  Aristoteles  sagen,  ist  das
Sehen  oder  Erkennen,  das  sinnliche  sowohl  als  das  intellectuelle,
dasjenige,  was  die  Seele  in  Bewegung  setzt.  Der  Unterschied
zwischen  motum  und  movens,  der  sich  an  der  zufolge  ihres
Erkennens  begehrenden  Seele  darstellt,  ist  auf  den  allgemeineren
ontologischen  Gegensatz  zwischen  dem  quod  est  und  cpio  est
zurückzuführen;  das  quo  est  ist  im  gegebenen  Falle  eben  die
Sensibilität  und  Intellectualität  der  menschlichen  Seele 2 .  Albert
betont  also  den  Charakter  der  metaphysischen  Zusammengesetzheit
  der  menschlichen  Seele  als  creatürlicher  Substanz;  und
lässt  diesen  an  die  Stelle  der  Privation  treten,  durch  welche
Wilhelm  die  menschliche  Seele,  die  ihrem  Wesen  nach  ein
Könnendes  ist,  von  Gott,  dem  absoluten  Können,  unterschieden
wissen  will.  3  Wilhelm  bezeichnet  nämlich  Gott  als  purissima
et  verissima  potentia,  aus  welcher  jedwede  Art  von  Impotenz
schlechtweg  ausgeschlossen  ist,  woraus  dann  von  selber  folgt,
dass  die  menschliche  Seele  zufolge  der  Begränztheit  ihres  Könnens ­
  auch  mit  einem  gewissen  Nichtkönnen  als  metaphysischer
1  Forma  simplex  movere  non  potest,  nisi  motu  generantis  h.  e.  quod  generans
  inducit  formam  per  generationem.  Summ,  theol.  P.  II,  qu.  70,  mbr.  1.
2  Nähere  Erklärungen  über  den  Sinn  der  Terminen  quod  est  und  quo  est
in  Alberts  Summa  de  creaturis  Pars  I,  qu.  *21,  art.  2.
3  De  an.  III,  5.
            
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