Die Psychologie des Wilhelm von Auvergne.
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mit der completen Hervorbiklung des Menschenwesens aus der
Samensubstanz zu Ende sei. Das Verhältniss der Einen Seeleusubstanz
zu jenen drei Arten ihrer Bethätiguug im vegetativen,
sensitiven, intellectuellen Leben wird von Albert als jenes eines
totum potestativiun zu seinen partes potestativae gefasst. Daraus
geht aber zugleich hervor, dass die Seele nicht in jener Weise,
wie Wilhelm von Auvergne es will, als reine Form gefasst
werden könne; reine Form besagt bei ihm so viel als einfache
Form (forma simplex), und diese reicht nach Albert eben nur
dazu aus, einen natürlichen actus generativus zu vollführen, 1
dessen Product durch seine natürliche Beschaffenheit an einen
bestimmten Ort gewiesen ist, und durch seine Form nicht willkürlich
an einen anderen Ort versetzt werden kann. Die menschliche
Seele muss also, soforn sie mehr als blosses Vegetatiousprincip
ist, ein Compositum sein. Die Elemente der Zusammensetzung
sind das motum appetitivum und das movens cognitivum;
denn wie Augustinus und Aristoteles sagen, ist das
Sehen oder Erkennen, das sinnliche sowohl als das intellectuelle,
dasjenige, was die Seele in Bewegung setzt. Der Unterschied
zwischen motum und movens, der sich an der zufolge ihres
Erkennens begehrenden Seele darstellt, ist auf den allgemeineren
ontologischen Gegensatz zwischen dem quod est und cpio est
zurückzuführen; das quo est ist im gegebenen Falle eben die
Sensibilität und Intellectualität der menschlichen Seele 2 . Albert
betont also den Charakter der metaphysischen Zusammengesetzheit
der menschlichen Seele als creatürlicher Substanz; und
lässt diesen an die Stelle der Privation treten, durch welche
Wilhelm die menschliche Seele, die ihrem Wesen nach ein
Könnendes ist, von Gott, dem absoluten Können, unterschieden
wissen will. 3 Wilhelm bezeichnet nämlich Gott als purissima
et verissima potentia, aus welcher jedwede Art von Impotenz
schlechtweg ausgeschlossen ist, woraus dann von selber folgt,
dass die menschliche Seele zufolge der Begränztheit ihres Könnens
auch mit einem gewissen Nichtkönnen als metaphysischer
1 Forma simplex movere non potest, nisi motu generantis h. e. quod generans
inducit formam per generationem. Summ, theol. P. II, qu. 70, mbr. 1.
2 Nähere Erklärungen über den Sinn der Terminen quod est und quo est
in Alberts Summa de creaturis Pars I, qu. *21, art. 2.
3 De an. III, 5.