Die Psychologie des Wilhelm von Auvergne.
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schliesst. Vergeblich bemühen sich die Gegner (die neuen
Aristoteliker), diese Art von Zusammengesetztheit zu verdecken,
wenn sie sagen, die Vermögen seien natürliche Qualitäten,
durch welche die Seelensubstanz geschmückt und vollendet
werde. Daraus würde also folgen, dass die potentia ratiocinandi
eine zur menschlichen Seelensubstanz hinzukommende, mithin
accidentale Qualität sei; demzufolge wäre der Mensch nicht
substantialiter, sondern nur accidcntaliter vom vernunftlosen
Thiere verschieden, die den Menschen als Menschen charakterisirende
Wesensform, die nothwendig Substantialform sein
muss, gar nicht vorhanden.
Der Wesensbegriff des Menschen ist dieser, ein animal
rationale zu sein. Als sinnliches Lebewesen trägt der Mensch
nicht hloss ein Intellectualprincip in sich, sondern hat mit den
Thiere n das Empfinden, mit den Pflanzen das Vegetationsleben
gemein. Selbstverständlich ist Wilhelm bemüht, auch in Bezug
auf diese dreifache Abstufung des Seelischen in der intellectuellen,
sensitiven und vegetativen Lebensthätigkeit die stricte
Einheit des menschlichen Seelenwesens aufrecht zu halten. 1
Da er jede menschliche Seele unmittelbar durch Gott geschaffen,
den Leib des Kindes aber als einen lebendigen von den
Eltern erzeugt werden lässt, so handelt es sich für ihn im Besonderen
darum, ersichtlich zu machen, dass durch die vor
Eintritt der intellectuellen Seele schon vorhandene vegetative
Belebtheit dos Fötus die stricte Einheit des menschlichen Seelenwesens
nicht aufgehoben wird. Er nimmt demzufolge an, dass
das mit dem lebendigen Sperma der zeugenden Eltern bereits
gegebene Vegetationsprincip, mittelst dessen das gezeugte Plasma
zum gegliederten Körper wird, mit dem Eintritt der vom
Schöpfer geschaffenen Seele in den Leib aufhört zu sein, da
die an seine Stelle getretene vernunftbegabte Seele vollkommen
ausreicht, den bereits gestalteten Körper zu beleben und zu
regieren. Wilhelm findet es nicht unpassend, wenn man die
Ersetzung eines für sich bestehenden leiblichen Vegetationsprincips
durch die gottgeschaffene Seele mit der Absorption
und Exstinction eines schwächeren Lichtes durch ein nachfolgendes
stärkeres vergleichen will.
1 De an. IV, 1—4.