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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 73. Band, (Jahrgang 1873)

Die  Psychologie  des  Wilhelm  von  Auvergne.

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schliesst.  Vergeblich  bemühen  sich  die  Gegner  (die  neuen
Aristoteliker),  diese  Art  von  Zusammengesetztheit  zu  verdecken,
wenn  sie  sagen,  die  Vermögen  seien  natürliche  Qualitäten,
durch  welche  die  Seelensubstanz  geschmückt  und  vollendet
werde.  Daraus  würde  also  folgen,  dass  die  potentia  ratiocinandi
eine  zur  menschlichen  Seelensubstanz  hinzukommende,  mithin
accidentale  Qualität  sei;  demzufolge  wäre  der  Mensch  nicht
substantialiter,  sondern  nur  accidcntaliter  vom  vernunftlosen
Thiere  verschieden,  die  den  Menschen  als  Menschen  charakterisirende
  Wesensform,  die  nothwendig  Substantialform  sein
muss,  gar  nicht  vorhanden.
Der  Wesensbegriff  des  Menschen  ist  dieser,  ein  animal
rationale  zu  sein.  Als  sinnliches  Lebewesen  trägt  der  Mensch
nicht  hloss  ein  Intellectualprincip  in  sich,  sondern  hat  mit  den
Thiere  n  das  Empfinden,  mit  den  Pflanzen  das  Vegetationsleben
gemein.  Selbstverständlich  ist  Wilhelm  bemüht,  auch  in  Bezug
auf  diese  dreifache  Abstufung  des  Seelischen  in  der  intellectuellen,
  sensitiven  und  vegetativen  Lebensthätigkeit  die  stricte
Einheit  des  menschlichen  Seelenwesens  aufrecht  zu  halten.  1
Da  er  jede  menschliche  Seele  unmittelbar  durch  Gott  geschaffen, ­
  den  Leib  des  Kindes  aber  als  einen  lebendigen  von  den
Eltern  erzeugt  werden  lässt,  so  handelt  es  sich  für  ihn  im  Besonderen ­
  darum,  ersichtlich  zu  machen,  dass  durch  die  vor
Eintritt  der  intellectuellen  Seele  schon  vorhandene  vegetative
Belebtheit  dos  Fötus  die  stricte  Einheit  des  menschlichen  Seelenwesens ­
  nicht  aufgehoben  wird.  Er  nimmt  demzufolge  an,  dass
das  mit  dem  lebendigen  Sperma  der  zeugenden  Eltern  bereits
gegebene  Vegetationsprincip,  mittelst  dessen  das  gezeugte  Plasma
zum  gegliederten  Körper  wird,  mit  dem  Eintritt  der  vom
Schöpfer  geschaffenen  Seele  in  den  Leib  aufhört  zu  sein,  da
die  an  seine  Stelle  getretene  vernunftbegabte  Seele  vollkommen
ausreicht,  den  bereits  gestalteten  Körper  zu  beleben  und  zu
regieren.  Wilhelm  findet  es  nicht  unpassend,  wenn  man  die
Ersetzung  eines  für  sich  bestehenden  leiblichen  Vegetationsprincips
  durch  die  gottgeschaffene  Seele  mit  der  Absorption
und  Exstinction  eines  schwächeren  Lichtes  durch  ein  nachfolgendes ­
  stärkeres  vergleichen  will.

1  De  an.  IV,  1—4.
            
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