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Werner.
lichkeit ihrer intellectiven Natur; denkt man sicli diese vielartige
Vermöglichkeit ihres denkhaften Wesens von ihr hinweg, so
bleibt von diesem denkhaften Wesen gar nichts übrig. So weit
also die scholastische Abscheidung der Seelenvermögen von der
Essenz der Seele auf die aristotelische Kategorienlehre sich
gründet, 1 gehört sie dem Gebiete eines abstract formalisirenden
Denkens an, welches in das Wesen der lebendigen Seelennatur
keinen Einblick gewährt. Und es ist weiter nicht zu verkennen,
dass jene Abscheidung der Scholastik durchaus nur auf
die dem peripatetischen Denken geläufigen Distinctionen gestützt
war •— Distinctionen, die, sofern sie bloss künstliche, und auf
Grund der einmal als gültig feststehenden Grundbegriffe der
Peripatetik angenommen waren, mit der Abwendung von der
peripatetischen Denkkunst ihre Bedeutung verloren, ja mitunter
geradezu unverständlich wurden. Es ist übrigens kein Zweifel,
dass die Mehrdeutigkeit des Wortes ,Essenz' ihrerseits dazu
beitrug, die Abscheidung der Seelenvermögen vom Seelenwesen
zu verfesten; identificirte man den Begriff der Essenz mit jenem
der Substanz, so konnte man, da das ,Vermögen' als solches
und seinem Begriffe nach keine Substanz ist, nicht umhin, es
zum Accidens der Substanz, welcher es eignet, herabzusetzen; 2
man übersah hiebei nur, dass man eine Distinction, die einem
in seiner Steifheit ziemlich unvollkommenen subjectiven Denkmodus
entsprach, nicht sofort als eine im gedachten Objecte
selber bestehende nehmen dürfe. Man würde indess den Scholastikern
unverdient nahe treten, wollte man behaupten, dass
sie nicht durch ein wirkliches sachliches Interesse zu jener
Distinction hingedrängt worden wären. Schon Albertus deutete
es in Kürze an; es handelte sich um den metaphysischen Unterschied
des menschlichen Seelenwesens von der göttlichen Wesenheit.
Die göttliche Essenz ist absolut einfach, dem menschlichen
Seelenwesen kommt Einfachheit nur in relativem Sinne
zu; Gott ist das absolute Können in eigenster Wesenheit und
Wirklichkeit, die menschliche Seele ist es nicht, hat aber ein
1 Vgl. Thomas Ag. Summ. I, qu. 77, art. 1: Operatio animse non est in
genere substantiaj. — Cum potentia animse non sit ejus essentia, oportet
quod sit accidens, et est in secunda specie qualitatis.
2 Dawider richtet sich Wilhelms Polemik: De an. III, 4.