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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 73. Band, (Jahrgang 1873)

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Werner.

seine  Einfacheit  nicht  jener  des  göttlichen  Wesens  gleichzusetzen,
  sondern  nur  relativ  zu  verstehen  sei,  sofern  durch  sie
eben  nur  die  Ausgedehntheit  und  Theilbarkeit  des  Körperlichen
ausgeschlossen  sein  soll.  Dieser  Gedanke  mochte  ausreichen,
die  Vermögensvielheit  der  menschlichen  Seele  als  möglich  erscheinen ­
  zu  lassen,  wurde  aber  nicht  für  eine  wirkliche  Erklärung ­
  dieser  Vermögensvielheit  verwerthet;  Augustinus  deducirte
  aus  ihr  nur  so  viel,  dass  die  menschliche  Seele  eine
mittlere  Stelle  einnehme  zwischen  der  göttlichen  Essenz,  die
zufolge  ihrer  absoluten  Einfachheit  schlechthin  unveränderlich
sei,  und  zwischen  den  theilbaren  Körpern,  die  zufolge  ihrer
Zusammengesetztheit  und  Theilbarkeit  nicht  bloss  mutabel,
sondern  auch  alterabel  seien,  während  die  menschliche  Seele
den  Körpern  gegenüber  mit  Gott  die  Inalterabilität,  im  Gegensatz ­
  zu  Gott  aber  mit  den  Körpern  die  Mutabilität  gemein
habe.  Ueber  diese  abstract  metaphysischen  Bestimmungen  des
menschlichen  Seelenwesens  kann  die  augustinische  Psychologie
nicht  hinaus,  eben  so  wenig  aber  auch  die  auf  sie  folgende
scholastiscli-peripatetische;  dass  die  Inalterabilität  der  menschlichen ­
  Seele  im  Personscharakter  derselben  begründet  sei,  wurde
weder  von  den  mittelalterlichen  Augustinern,  noch  von  den
mittelalterlichen  Aristotelikern  erkannt,  und  desshalb  kann  der
von  den  Letzteren  erzielte  Fortschritt  auf  dem  Gebiete  der
philosophischen  Psychologie  nur  als  ein  sehr  relativer  bezeichnet
werden.  Indess  bleibt  ihnen  jedenfalls  das  Verdienst,  wirklich
an  die  Erklärung  jener  mira  divisio  animse  indivisibilis  gegangen ­
  zu  sein,  von  welcher  wir  den  mehrerwähnten  mittelalterlichen ­
  Augustiner  oben  reden  hörten,  ohne  dass  er  auch  nur
die  leiseste  Nöthigung  zu  einer  rationalen  Authellung  der  Denkbarkeit
  der  Vielheit  in  dem  untheilbar  Einen  empfunden  hätte.

multiplex  est  etiam  ipsa,  non  simplex.  Nam  ideo  simplicior  est  corpore
quia  non  mole  diffunditur  per  spatium  loci,  sed  in  unoquoque  corpore  et
in  toto  tota  est,  et  in  qualibet  ejus  parte  tota  est.  Sed  tarnen  etiam  in
anima,  cum  aliud  sit  artificiosum  esse,  aliud  inertem,  aliud  acutum,  aliud
memorem,  aliud  cupiditas,  aliud  timor  etc.,  possintque  et  alia  sine  aliis  et
alia  magis  et  alia  minus  innumerabilia  et  innumerabiliter  in  animse  natura
inveniri,  manifestum  est,  non  simplicem,  sed  multiplicem  esse  naturam.
Nihil  enim  simplex  mutabile  est,  omnis  autem  creatura  mutabilis.
            
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