Die Psychologie des Wilhelm von Anvergne.
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Augustinus nach Alberts Ansicht eigentlich sagen wollte, mit
letzterer ganz gut vereinbaren; eben so gewiss aber ist, dass
Augustinus auf die gedachte Unterscheidung nicht reflectirte,
und auf dieselbe nicht reflectiren konnte, weil ihm in
seinen bezüglichen Erklärungen über das Seelenwesen ausschliesslich
nur darum zu thun war, die Idee der durch die
mehrseitige Vermöglichkeit und Begabung der Menschenseele
nicht beeinträchtigten Einfachheit des menschlichen Seelenwesens
zum Ausdrucke zu bringen, die ihm durch die Geistigkeit
der Seele als selbstverständlich gefordert erschien. In
diesem Sinne wurde er auch voii seinen Verehrern verstanden;
der Verfasser der vorerwähnten pseudoaugustinischen Sammelschrift
bleibt bei der Anstaunung der Vergesellschaftung der
Einfachheit der Seele mit ihrer vielfältigen Begabung stehen,
und nennt diese Vergesellschaftung etwas Wunderbares, 1 was
sich demzufolge seiner Natur nach einer vollkommenen Aufhellung
für unser unvollkommenes Erkennen entzieht. Wilhelm
2 nimmt zu erläuternden Analogien Zuflucht; wie eine und
dieselbe Person zugleich Herzog, Graf, Markgraf, Inhaber einer
städtischen Würde als Bürgermeister oder Iiathsherr sein könne,
so kann die Seele unbeschadet ihrer Einfachheit und Untheilbarkeit
verschiedenen Verrichtungen im Denken, Wollen, Zürnen,
Begehren u. s. w. obliegen. Dass alle diese Actionen und
Passionen der Seele aus einer bestimmten Grundthätigkeit und
Grundbeschaffenheit der Seele abzuleiten seien, und diese Grundthätigkeit
und Grundbeschaffenheit aus dem Grundwesen der
menschlichen Seele verstanden werden müsse, mag in jenem
Zeitalter wohl geahnt worden sein, ist aber nicht als eine
Forderung der methodischen Forschung begriffen worden; womit
wohl auch zugleich die für jene Zeiten unübersteiglichcn
Schranken einer philosophisch durchgebildeten psychologischen
Forschung kenntlich gemacht sind. Das geistige Wesen der
Seele betreffend, hatte wohl schon Augustinus erklärt, 3 dass
' Niliil in creatnris hac divisione mirabilius cernitur, ubi id, quod essentialiter
nimm est atque Individuum, in se ipsum scinditur; et quod Simplex
in se et sine partibus constat, quasi quadam partitione dividitur. O. c., c. 34.
2 De an. III, 6.
3 De trin. VI, 6: Creatnra quoque spiritualis, sieut est anima, est quidem
in corporis comparatione simplicior, sine comparatione autem corporis
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