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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 73. Band, (Jahrgang 1873)

Die  Psychologie  des  Wilhelm  von  Anvergne.

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Augustinus  nach  Alberts  Ansicht  eigentlich  sagen  wollte,  mit
letzterer  ganz  gut  vereinbaren;  eben  so  gewiss  aber  ist,  dass
Augustinus  auf  die  gedachte  Unterscheidung  nicht  reflectirte,
und  auf  dieselbe  nicht  reflectiren  konnte,  weil  ihm  in
seinen  bezüglichen  Erklärungen  über  das  Seelenwesen  ausschliesslich ­
  nur  darum  zu  thun  war,  die  Idee  der  durch  die
mehrseitige  Vermöglichkeit  und  Begabung  der  Menschenseele
nicht  beeinträchtigten  Einfachheit  des  menschlichen  Seelenwesens ­
  zum  Ausdrucke  zu  bringen,  die  ihm  durch  die  Geistigkeit ­
  der  Seele  als  selbstverständlich  gefordert  erschien.  In
diesem  Sinne  wurde  er  auch  voii  seinen  Verehrern  verstanden;
der  Verfasser  der  vorerwähnten  pseudoaugustinischen  Sammelschrift ­
  bleibt  bei  der  Anstaunung  der  Vergesellschaftung  der
Einfachheit  der  Seele  mit  ihrer  vielfältigen  Begabung  stehen,
und  nennt  diese  Vergesellschaftung  etwas  Wunderbares,  1  was
sich  demzufolge  seiner  Natur  nach  einer  vollkommenen  Aufhellung ­
  für  unser  unvollkommenes  Erkennen  entzieht.  Wilhelm ­
  2  nimmt  zu  erläuternden  Analogien  Zuflucht;  wie  eine  und
dieselbe  Person  zugleich  Herzog,  Graf,  Markgraf,  Inhaber  einer
städtischen  Würde  als  Bürgermeister  oder  Iiathsherr  sein  könne,
so  kann  die  Seele  unbeschadet  ihrer  Einfachheit  und  Untheilbarkeit
  verschiedenen  Verrichtungen  im  Denken,  Wollen,  Zürnen, ­
  Begehren  u.  s.  w.  obliegen.  Dass  alle  diese  Actionen  und
Passionen  der  Seele  aus  einer  bestimmten  Grundthätigkeit  und
Grundbeschaffenheit  der  Seele  abzuleiten  seien,  und  diese  Grundthätigkeit ­
  und  Grundbeschaffenheit  aus  dem  Grundwesen  der
menschlichen  Seele  verstanden  werden  müsse,  mag  in  jenem
Zeitalter  wohl  geahnt  worden  sein,  ist  aber  nicht  als  eine
Forderung  der  methodischen  Forschung  begriffen  worden;  womit ­
  wohl  auch  zugleich  die  für  jene  Zeiten  unübersteiglichcn
Schranken  einer  philosophisch  durchgebildeten  psychologischen
Forschung  kenntlich  gemacht  sind.  Das  geistige  Wesen  der
Seele  betreffend,  hatte  wohl  schon  Augustinus  erklärt,  3  dass
'  Niliil  in  creatnris  hac  divisione  mirabilius  cernitur,  ubi  id,  quod  essentialiter
  nimm  est  atque  Individuum,  in  se  ipsum  scinditur;  et  quod  Simplex
in  se  et  sine  partibus  constat,  quasi  quadam  partitione  dividitur.  O.  c.,  c.  34.
2  De  an.  III,  6.
3  De  trin.  VI,  6:  Creatnra  quoque  spiritualis,  sieut  est  anima,  est  quidem
in  corporis  comparatione  simplicior,  sine  comparatione  autem  corporis
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