Die Psychologie des Wilhelm von Auvergne.
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einer Wesensgleichheit der Menschenseelen mit den höheren
Geistern 1 entschieden abgelehnt, und damit auch eine wesentlich
andere Auffassung und Behandlung der Fragen und Probleme
intonirt, wie wir des Näheren sofort ersehen werden.
Die augustinisclie Psychologie steht im Gegensätze zur
aristotelischen wesentlich auf platonischem Standpunkte, womit
natürlich nicht eine Identität der augustinischen Psychologie
mit der platonischen, sondern nur die allgemeine Richtung der
ersteren bezeichnet werden will. Die augustinisclie Psychologie
zeigt sich mit der platonischen verwandt, sofern sie mit Vorliebe
den gottverwandten Zügen des menschlichen Seelenwesens
nachforscht, so dass sich ihr das gottverwandte Wesen der
menschlichen Seele als Hauptgegenstand der psychologischen
Betrachtung in den Vordergrund stellt, und alles Andere, was
die rationelle Psychologie sonst noch in den Kreis ihrer Erörterungen
zu ziehen hat, fast nur als Vorbedingung der richtigen
Erkenntniss dessen, was die Seele nach ihrer gottverwandten
Seite ist, erscheint. Dabei betont sie im Gegensätze
zu der von den scholastischen Peripatetikern urgirten Mittelbarkeit
des seelischen Selbsterkennens die Unmittelbarkeit dieses
Erkennens, und bezeichnet die selbsteigene Seele des Menschen
als das seinem Erkennen nächstgelegene, und zufolge ihrer
Geistigkeit zugleich weit heller und klarer als die sinnliche
Körperwelt, erkennbare Object. Dieser Charakter verblieb der
christlichen Psychologie während der ganzen früheren Hälfte
des Mittelalters, und tritt auch in den psychologischen Erörterungen
Wilhelms trotz ihrer Versetzung mit den in der peripatetisch
gewordenen Scholastik üblichen Digressionen und
Untersuchungen deutlich genug hervor. Die menschliche Seele
erkennt sich, sagt Wilhelm, 2 aus ihren Handlungen, Stimmungen
und Thätigkeiten nicht nur eben so genau, als man
den Sokrates oder einen anderen Menschen an den seine Person
kenntlich machenden äusseren Merkmalen erkennt, sondern
1 Vgl. Aug. de lib. arb. III, 11: Anima; rationales illis superioribus (spiritibus)
officio quidem impares, sed natura pares sunt. — De quant. an.,
c. 34: Eorum, quse Deus creavit, anima rationali quidquam deterius est,
quiddam par: deterius, ut ut anima pecoris, par ut augeli, melius autem
nihil.
2 De an. III, 12.