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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 73. Band, (Jahrgang 1873)

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Werner.

die  Existenz  und  Wesenhaftigkeit  der  im  Menschen  denkenden ­
  Seele  aufgewiesen  zu  haben;  die  Rücksicht  auf  die  Lehren
der  arabischen  Aristoteliker  legte  ihnen  die  Nöthigung  auf,
umständlich  und  ausführlich  zu  erweisen,  dass  diejenigen  Begabungen, ­
  welche  den  Unterschied  des  Menschen  von  den  blossen
Sinnenwesen  begründen,  dem  Menschenwesen  als  solchem  eigen
seien  und  zur  Natur  desselben  gehören,  dass  also  die  menschliche ­
  Seele  neben  der  Fähigkeit  des  sinnlichen  Vorstellens  auch
jene  des  Denkens  und  Verstehens  wesentlich  zu  eigen  habe.
Wenn  Averroes  (Ibn  Roschd)  von  einem  Gesammtverstand  der
Menschheit  sprach,  der  in  allen  Einzelnen  denke,  so  hatten  ihm
gegenüber  die  christlichen  Aristoteliker  den  Intellect  als  ein
allen  Einzelnen  wesenhaft  eignendes  Vermögen  zu  erweisen;
behauptete  Avicenna  (Ibn  Sina),  dass  der  Intellect  den  Einzelseelen ­
  zwar  der  Möglichkeit  nach  eigne,  diese  Möglichkeit  aber
durch  die  aus  dem  höchsten  Urwesen  ausgeflossene  Intelligentia
prima  actuirt  werden  müsse,  so  hatten  dem  gegenüber  die
christlichen  Aristoteliker  zu  erweisen,  dass  der  der  menschlichen ­
  Seele  eignende  Intellect  aus  selbsteigener  Kraft  sich
actuire,  und  den  in  den  recipirten  Vorstellungen  latirenden
Geistgehalt  aus  denselben  hervorziehe.  Hiebei  kam  aber  den
peripatetischen  Scholastikern,  zufolge  der  sich  ihnen  aufdringenden ­
  NothWendigkeit,  das  selbstthätige  Erkenntnissieben  der
Menschenseele  auf  Grund  ihres  sinnlichen  Vorstellungslebens
sich  actuiren  zu  lassen,  die  Angewiesenheit  der  intellectiven
Menschenseele  an  ihre  Verbindung  mit  dem  ihr  eignenden
Leibe,  und  der  darin  begründete  Stufenunterschied  der  Menschenseele ­
  von  den  leibloseu  oder  reinen  Intelligenzen  sehr  lebhaft ­
  und  eindringlich  zum  Bewusstsein,  obwohl  sie,  einem  vollkommen ­
  selbstständigen  speculativen  Verfahren  abhold,  nicht
bis  dahin  vordrangen,  die  Menschenseele  für  etwas  von  den
sinnlich  erkennenden  Naturwesen  und  den  leiblosen  Intelligenzen
specifiseh  verschiedenes  Drittes  zu  fassen  —  ein  Schritt,  von
welchem  sie  schon  ihr  Festhalten  an  der  auf  aristotelischer
Grundlage  angenommenen  Vorstellung  einer  gradlinig  aufsteigenden ­
  Stufenleiter  vom  Niedersten  bis  zum  Höchsten,  von
der  irdischen  Materie  bis  zu  Gott  hinan  abhielt.  Jedenfalls
aber  war  durch  die  graduelle  Location  der  Menschenseelen
unter  die  Engel  der  von  Augustinus  ausgesprochene  Gedanke
            
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