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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 73. Band, (Jahrgang 1873)

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C  o  n  z  e

Funde  von  Palästrina  lagen  also  die  Producte  der  zwei  der
Zeit  nacli  aufeinander  folgenden  und  also  auch  eine  Zeit  lang
nebeneinander  fortgeübten  Stilweisen  zusammen.
Wenn,  wie  ich  annehme,  die  ältere  dieser  Stilweisen  die
von  Nordeuropa  her  über  Altitalien  verbreitete  war,  und  nur
allmälig  der  über  das  Mittelmeer  herandringenden  anderen
Stilweise  wich,  so  stimmt  hiermit  das  sehr  gehäufte  Vorkommen
der  ersteren  bei  den  Funden  gerade  im  Norden  Italiens  und  in
den  Alpenländern  gut  überein.  Einige  Prachtexemplare  enthält,
aus  Funden  der  Umgegend  her  rührend,  das  Museo  civico  in
Trient.  Es  sind  Bronzeschmuckgegenstände,  deren  Linearornament ­
  aus  lauter  in  Reihen  gestellten  getriebenen  Pünktchen
und  grösseren  runden  Buckeln  besteht,  an  denen  dreieckige
ebenso  verzierte  Bronzeblechstücke  und  eine  ganze  Anzahl  von
grösseren  und  kleineren  bullae  aufgehängt  sind.  1  Die  bei  den
Römern  zuletzt  in  Gebrauch  bleibende  bulla  ist  kaum  anders
als  ein  letzter  Rest  eines  hier  in  primitivem  Uebermaasse  verwandten ­
  Zierrathes  anzusehen.  An  einem  dieser  Trientiner
Schmuckstücke  erscheint  zwischen  denselben  Ornamenten  und
den  bekannten  concentrischen  Kreisen  auch  ein  rohes  menschliches ­
  Gesicht  und  zwei  Pferdeköpfe,  also  immer  die  dem  fraglichen ­
  Stile  eigenthiimliehen  Formelemente.  Einige  einfachere
Exemplare  von  Bronzeplättchen  mit  derselben  Ornamentik  bewahrt ­
  auch  das  Museo  civico  zu  Roveredo.  Es  ist  überall  derselbe ­
  Charakter,  nach  welchem  einheimische  Antiquare  dieser
Gegenden  derartige  Alterthümer  als  keltische  zu  bezeichnen
pflegen;  wir  haben  schon  betont,  wie  weit  mit  Recht.
Zu  diesen  keltischen  Alterthümern  der  Alpenländer  gehören ­
  auch  höchst  rohe,  aber,  wenn  man  sie  in  grösserer  Anzahl ­
  sieht,  doch  unverkennbar  einen  bestimmten  Stil,  nicht
eine  beliebige  Unbeholfenheit,  wie  sie  jederzeit  Vorkommen  kann,
verrathende  Menschenfigürchen  von  Bronze.  Sie  sind  nackt
und  zeigen  immer  den  Geschlechtstheil  besonders  markirt;  ich
bemerkte  mir  ein  Exemplar  im  Museum  zu  Cividale,  eines  im
Museo  civico  zu  Roveredo,  eines  in  der  Sammlung  des  Gym-1
  Vergl.  z.  ß.  die  Fibula  mit  Anhängseln  rheinischen  Fundorts  Mon.  Ann.
e  bull,  deir  inst,  di  corr.  arch.  1855,  tav.  33,  8.  Ferner  vergl.  Sacken,
das  Grabfeld  von  Hallstadt  S.  64,  Anm.  3.
            
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