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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 73. Band, (Jahrgang 1873)

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Zur  Geschichte  der  Anfänge  griechischer  Kunst.  243
Albert  Jahn  vollkommen  richtig-  sah,  aber  sein  Urtheil  zu  beschränkt ­
  fasste,  wenn  er  die  Ornamentik  dieser  Gefässe  unteritalischen
  Fundorts  echt  keltische  nannte.  Sie  ist  keltisch,
ist  aber  auch  germanisch,  altitalisch,  pelasgisch-griechisch;  sie
ist  alteuropäisch,  ist  der  Stil  der  europäischen  Indogermanen,
seiner  längsten  Dauer  auf  europäischem  Boden  nach  nordisch
zu  nennen.  In  diesem  Zusammenhänge  wurde  er  also,  aber
nicht  gerade  von  Kelten,  auch  in  Unteritalien  einmal  geübt.
Für  Mittelitalien  wird  eine  grosse  Wichtigkeit  für  den
Nachweis  des  besprochenen  Stils  immer  der  im  Jahre  1817  im
Territorium  von  Marino  am  Albanergebirge  gemachte  und  wiederholt ­
  besprochene  Gräberfund  behaupten.  Es  ist  besonders
wichtig,  dass  nach  Alessandro  Viscontis,  des  Herzogs  von
Blacas,  nachher  ganz  besonders  Pigorini’s  und  Lubbock’s  1
Beobachtungen  und  M.  S.  de  Rossi’s  2  Darlegungen  gar  nicht
mehr  daran  zu  zweifeln  ist,  dass  diese  Nekropolis  älter  ist,
als  der  darüber  gelagerte  vulkanische  Peperino  und  in  einer
Gegend  sich  findet,  in  welche  die  Alten  mit  grosser  Einstimmigkeit ­
  die  wichtigste  älteste  Ansiedlung  der  Latiner  verlegen.
Die  Ornamentik  der  hier  gefundenen  Thongefässe,  ja  sogar
auch  bei  einzelnen  derselben  die  eigenthtimliche,  ein  Haus
nachahmende  Form,  legen  den  namentlich  von  Lisch 3  ausgebeuteten
  Vergleich  und  die  Gleichstellung  mit  nordischen
Formen  nahe  und  es  war  wiederum  nur  ein  verkehrter,  weil
in  viel  zu  beschränkter  Vermuthung  gefasster  Schluss  aus  dieser
ganz  richtigen  Beobachtung,  dass  Tambroni  deshalb  hier  die
Beg-räbnissstätte  von  Herulern  aus  der  Armee  des  Totilas  gefunden ­
  wissen  wollte.  Von  den  schwarzen  in  ihrer  Art  reicher
verzierten  Thongefässen  dieser  albanischen  Nekropolis,  die  die
Ornamentik  unserer  ältesten  griechischen  Vasenklasse  wie  die
Ornamentik  der  Spätbronze-  und  Eisenzeit  am  vollständigsten
zeigen,  befinden  sich  nicht  zu  verkennende  Exemplare  ausser
an  den  von  Lubbock  und  Pigorini  aufgezählten  Orten  auch  in
München,  in  Venedig  und  in  Kopenhagen.  Von  dem  Münchener
1  In  der  Archaeologia  vol.  XLII,  London  1869,  S.  99  ft’.
2  Annali  dell’  inst,  di  corr.  arch.  1867,  S.  5  ff.
3  Jahrbücher  des  Vereins  für  meklenburg.  Gesch.  u.  Alterthuniskunde.
21.  Jahrg.,  Schwerin  1856,  S.  243  ff.  Mit  den  in  diesem  Aufsatze  entwickelten ­
  Ansichten  stimme  ich  in  mehren  Hauptpunkten  überein.
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