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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 73. Band, (Jahrgang 1873)

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C  o  n  z  e

nicht  ohne  vorher  zu  erwähnen,  dass  Lindenschinit  das,  was
ich  im  Anschlüsse  an  manche  Vorgänger  als  die  Stile  zweier
auf  einander  folgender  Epochen  anselien  muss,  als  einen  Stil
einerseits  niedern  Handwerks  und  andererseits  höherer  Kunst
ansieht. 1  Ich  könnte  hiermit  bis  zu  einem  gewissen  Grade
einverstanden  sein,  frage  nur,  wo  kommt  denn  dieser  Handwerksstil
  her,  den  Lindenschmit  gelegentlich  alterthümlich
nennt  und  auf  den,  wie  er  meint,  die  Barbaren,  z.  B.  Gallier,
für  die  man  fabricirte,  einen  Einfluss  gehabt  haben  sollen?
Man  sieht,  wie  nahe  Lindenschmit  hier  unwillkürlich  an  meine
Art,  die  Thatsachen  zu  erklären,  heran  streift.  Ich  darf  hier
nicht  abermals  mich  ausführlicher  polemisch  gegen  Lindenschmit’s ­
  Ausführungen  wenden,  muss  mich  begnügen,  meine
Auffassung  und  zwar  für  dieses  Mal,  wie  gesagt,  hauptsächlich
nur  an  einzelnen  Beispielen  deutlich  zu  machen.
Als  ein  besonders  reines  Exemplar  des  alteuropäischen
Stils  in  Etrurien  führe  ich  gleich  vorweg  die  Bronzeflasche  aus
Gossa  im  Museo  Gregoriano-  auch  deshalb  an,  weil  bei  ihr
Semper 3  von  ,graeco-italischend  Stile  gesprochen  hat,  wiederum,
wie  ich  das  ja  auch  bei  der  ältestgriechischen  Vasenclasse  anzuerkennen ­
  hatte,  mit  ganz  richtigem  Blicke,  mag  man  nun  die
gewählte  Benennung  glücklich  finden  oder  nicht;  jedenfalls  ist
sie  etwas  zu  eng  gefasst.
Dass  das  Richtige  gesehen,  aber  für  einen  zu  enge  gefassten ­
  Schluss  benutzt  wurde,  davon  führe  ich  ein  anderes
Beispiel  an.
Im  Jahre  1846  veröffentlichte  Albert  Jahn  in  einer  besonderen ­
  Abhandlung 4  eine  Anzahl  von  im  Museum  zu  Bern
befindlichen  Thongefässen,  die  aus  der  Gegend  von  Nola  stammen. ­
  Der  eigenthümliche  Stil  ihrer  Ornamentik  ist  der  für
Altitalien,  ebenso  wie  er  für  das  noch  nicht  von  Vorderasien
aus  beeinflusste  Griechenland  aufgewiesen  ist,  immer  ausführlicher ­
  nachzuweisende;  ich  zähle  die  Formelemente  nun  nicht
immer  wieder  auf.  Ich  mache  hier  also  nur  geltend,  dass
o  7
1  Die  Altertliümer  unserer  heidnischen  Vorzeit,  Band  III,  Beilage,  S.  Hfl  ff.
2  Museo  Gregoriano  I,  tav.  LX.
3  Der  Stil  II,  S.  65.
4  Historisch-archäologische  Abhandlung  über  unteritalisch-keltische  Gefässe
in  der  Vasensammlung-  des  Bernischen  Museums.  Bern  1846.
            
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