Zur Geschichte der Anfänge griechischer Kunst
241
kommt. 1 Die Darstellung von Schiffen endlich ist auf den
Kunstarbeiten der nordischen Küstenländer etwas sehr Häufiges.
2
Zu dem Vergleiche der ältestgriechischen Ornamentik und
Bildnerei mit der entsprechenden nordischen Kunstweise trage
ich auch noch eine Einzelheit nach, die schwerlich auf einem
zufälligen Zusammentreffen beruht. Ich habe früher hervorgehoben
und die Ilirschfeldschen Vasen bestätigen es durchaus,
dass unter den Thierfiguren des ältestgriechischen Stils
anstatt der später von Vorderasien aus als Lieblingsgestalten
eingeführten Löwen und Tiger vielmehr Pferde und gänseähnliche
Vögel die erste Rolle spielen. Dass diese Erscheinung
der Bedeutung gerade des Pferdes in den Phantasievorstellungen
und Gebräuchen der arischen Völker besonders entspricht, hat
man sich gewiss leicht gesagt. Der Nachweis des Vorherrschens
derselben beiden Thierfiguren in der altnordischen wurde durch
eine Anzahl von Beispielen geführt. Es ist deshalb, wie gesagt,
kaum als ausserhalb desselben Zusammenhanges stehend anzusehen
, dass als ein unzweifelhaft letzter Ueberrest eigenthümlich
nordischer Ornamentik noch bis heute die über ein weites
Gebiet besonders des nördlichen Deutschlands hin gebräuchlichen
Giebelzierrathen der Bauernhäuser in Gestalt von Pferdeund
Vogelköpfen sich erhalten haben. 3 Die letzteren nennt
man, nicht ohne dann Bedeutsamkeit darin zu finden, gewöhnlich
Schwanenköpfe.
Ich kehre nunmehr noch ein Mal auf das Feld zurück,
auf welchem, wie ich früher sagte, der Kampf um die Lösung
der uns beschäftigenden Probleme besonders erfolgreich wird
weitergeführt werden können; das ist Italien. Auch Italien
theilte ursprünglich denselben primitiven Kunststil, der in der
neuen Vasenclasse für Griechenland uachgewiesen ist, mit dem
übrigen Europa, in dessen Norden er sich nur länger erhielt.
Diesen Satz wiederhole ich, wie ich ihn vorher schon einer
von Lindenschmit mir gemachten Einwendung entgegeugestellt
habe und erläutere ihn jetzt wenigstens an einigen Beispielen,
1 Vergl. sonst Weinhold, altnordisches Leben (Berlin 185G) S. 42<f ff.
2 Z. B. Annaler for nordisk Oldkyndighed (Kjöbenhavn) 1842, S. 348 ff.
3 Chr. Petersen in den Jahrbüchern für die Länderkunde der Herzogtümer
Schleswig, Holstein und Lauenburg. Band III, 1860.
Sitzungsber. <1. phil.-liist. CI. LXX11I. Bd. I. Hft. 16