240
Conze
äusserst rohe, scheinbar nackte und weibliche Figur von
Marmor, ziemlich genau übereinstimmend mit der von Walpole
1 früher mitgetheilten Marmorfigur aus einem attischen
Grabe. Die Kopenhagener Marmorfigur soll nach Angabe des
Obrist von Sommer, jetzt Commandanten von Rosenborg, auf
Thera in ein und demselben Grabe mit der jetzt auch in der
Antikensammlung zu Kopenhagen befindlichen grossen Vase
ältesten Stils (meine Abhandlung Taf. IX, 2) gefunden sein.
Wir sind, so weit hierauf zu bauen ist, also berechtigt,
primitive Versuche plastischer Darstellung menschlicher
Figuren neben der Darstellung derselben mit dem Pinsel an-'
zunehmen.
Der Nachweis menschlicher Figuren neben den Thierfiguren
und im Zusammenhänge mit der aus Weberei, Flechterei
und Metallarbeit entsprungenen Linearornamenten der ältesten
Vasenclasse griechischen Fundorts erscheint Hirschfeld iiberraschend.
Er ist für die von mir angestellte Vergleichung
und den behaupteten Zusammenhang mit den nordischen Kunstproducten
in so fern befriedigend, als für das Zutreffende dieses
Vergleiches bisher gerade die menschliche Figur in dem Formenvorrathe
der griechischen Fundstücke noch fehlte; auf den von
mir von der andern Seite besonders zur Vergleichung herbeigezogenen
Hallstädter Bronzen ist sie vorhanden, 2 jedoch nur
in reihenweiser, rein ornamentaler Zusammenstellung. Auf
den Hirschfeldschen Vasen ist eine wirkliche Scene aus dem
Menschenleben, der Bestattungszug, dann wieder die Ausstellung
der Leiche, es sind da die Wagenlenker und die
Kämpfer bei dem Schiffe dargestellt. Dass die nordische Kunst
diesen Schritt zur bildlichen Vorführung wirklicher Vorgänge
aber auch hie und da versucht hat, mag vorläufig nur mit dem
einen Beispiele des Kivik-Monuments auf Schonen belegt werden,
wo gerade auch die Abbildung zweispänniger Wagen vor-1
Memoirs p. 324, pl. 2. Müller, Denkm. d. a. K. I, Taf. II, n. 15. Der
Schlusszusatz Welckers zu Müller Handb. der Archäologie §. 72 muss
also eine Modifieation erleiden. Gleichartig die, Alabasterüguren, als deren
Fundort, die griechischen Inseln angegeben werden im Catalogue of a
series of photographs from the colleetions of the British Museum. I. Series.
Grecian Series n. G13.
2 Sacken, das Grabfeld von Hallstadt S. 122.