236
C o n z e
primitiver Kunstübung lenken ja heutzutage clie kunstindustriellen
Studien z. B. auf südslavische Webereien zurück.
Wenn nun aber im Verfolge seiner Auseinandersetzung
Lindenschmit, um sieh damit zugleich meiner Resultate zu erwehren,
so weit geht, mit grosser Unbefangenheit von der
,neugeschaffcnen’ Mythe einer Wanderung arischer Völker nach
dem Westen und der aus ihr entwickelten Vorstellung einer
indogermanischen Cultur*, welche auch die ,Kreise der antiquarischen
Forschung nicht ungestört* hätte lassen können,
wegwerfend zu sprechen, so mag er dafür, was sie zwar kaum
verlangen werden, den Sprachforschern Rede stehen, von denen
diese ,störenden* Vorstellungen ausgehen, nicht mir.
Ich habe nur noch einen, aber einen Cardinalpunkt in
der Differenz mit Lindensclnnit übrig gelassen.
Ebenso mangelhaft, wie nämlich Lindenschmit um eines
vorher seiner Bedeutung nach wohl zur Genüge aufgeklärten
Citates willen meine Sachkenntniss im Gebiete der nordischen
Archäologie findet, ebenso auffälligen Mangel findet er wiederum
auf meiner Seite in Bezug auf italische Denkmälerkunde. Hiermit
kommen wir auf das Feld, auf welchem, so viel ich sehe,
der Kampf um die Lösung des ganzen kunsthistorischen Problems,
um das es sich handelt, zunächst besonders weiter geführt
werden wird. Es sind zwei Thatsachen, deren Unkenntniss
er mir glaubt vorwerfen zu dürfen; es handelt sich dabei
um das^Vorkommen und Nichtvoi'kommen des Pflanzenornaments.
Ich wisse nicht, das ist die erste Thatsache, dass dasselbe
an nordischen Fundstücken erscheine. Diesen Punkt
halte ich nach allen bisherigen Auseinandersetzungen von vorn
herein für abgethan; ich habe solche, verhältnissmässig aber
vereinzelte Fälle nie in Abrede gestellt und gab von Anfang
an für sie, wo es sich nicht um Römisches handelt, den directen
oder indirecten etruskischen Ursprung zu (Beispiele in meiner
ersten Abhandlung S. 531, S. 27 des Separatabdrucks). Ich
wisse zweitens aber nicht, fährt Lindenschmit fort, dass
,eine namhafte Anzahl etruskischer Bronzearbeiten italischen
Fundorts ausschliesslich nur jene Strich- und Linienverzierungen
des sogenannten indogermanischen Urstils und gar kein Pflanzenornament
aufweise*. Darauf hatte ich andeutend, weil ich
mich eingehender damals darauf nicht einlassen wollte, auf