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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 73. Band, (Jahrgang 1873)

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C  o  n  z  e

sagt  Frauberger,  sind  die  Formen  der  Ornamentation  geometrische, ­
  verschiedene  Liniengefüge,  theils  willkürliche,  theils
Quadrate,  Sterne,  Dreiecke,  Kreuze  und  dergleichen;  daneben
—  und  das  ist  das  Fremde  —  erscheint,  was  Frauberger  stilisirtes
  Ornament  nennt,  Blumen,  Löwen,  Pfauen,  Adler  und
Herzen.  Frauberger  meint,  dass  die  in  diesen  Gegenden  niemals ­
  vorkommenden  Löwen  und  Pfauen  sammt  den  Adlern  als
griechisch-katholische  Kunstformen  herübergebracht  worden
seien.  Es  gehe  das  auch  aus  der  Art  ihrer  Stilisirung  hervor.
Sobald  diese  Stickereien,  fährt  Frauberger  fort,  das  vorwiegend
geometrische  Ornament  vex-lasseu  und  naturalistisch  werden
wollen,  so  verfallen  sie  augenblicklich  in  die  krasseste  Geschmacklosigkeit. ­
  Die  tüchtigeren  Arbeiterinnen,  heisst  es,
sähen  das  dann  aber  auch  meist  bald  ein  und  kehrten  zu  dem
zurück,  was  Tradition  und  Instinkt  zu  ihrem  Arbeitsfelde  ihnen
angewiesen  hätten.
Wenn  ich  auch  Manches  von  dem  hier  weiter  Ausgeführten
in  meiner  ersten  Abhandlung  nur  andeutend  berührte,  so  war
ich  doch  schon  damals  genöthigt,  über  das  Gebiet  des  classischen
  Alterthums  hinaus,  auf  dem  ich  bisher  allein  litterarisch
thätig  gewesen  bin,  bis  tief  in  das  Gebiet  namentlich  der  nordischen ­
  Alterthumskunde  vorzugehen.  Hier  begegne  ich  nun
einer  Anzahl  von  Forschern,  welche  auf  diesem  Felde  den
Schwerpunkt  ihrer  Thätigkeit  und  ihres  Wissens  mit  jedenfalls
überwiegender  Kenntniss  mancher  Details  haben.  Niemand
kann  sich  leicht  freier  von  Geringschätzung  solcher  für  die
gegenwärtige  Untersuchung  gewichtiger  Kenntniss  wissen,  als
ich  und  doch  ist  mir  in  ziemlich  heftigen  Ausdrücken  solche
Geringschätzung  von  Lindenschmit  1  auf  Anlass  meiner  Abhandlung ­
  vorgeworfen,  zunächst  deshalb,  weil  ich  die  von
Lindenschmit  vertheidigte  Zurückführung  der  grossen  Masse 2
nordischer  Bronzearbeiten  und  des  gesammten  Stils  ihres  Ornaments ­
  auf  etruskischen  Ursprung  allerdings  nur  für  unrichtig
halten  kann.  Ob  aber  solche  Arbeiten  für  etruskisch  gelten
können,  darüber  muss  sich  doch  derjenige  einigermassen  ein
1  Die  Alterthiüner  unserer  heidnischen  Vorzeit  III.  Band,  1871,  Beilage
S.  37  ff.
2  Lindenschmit  stellt  mit  Recht  in  Ahrede,  dass  er  alle  nordischen  Bronzen
aus  Etrurien  hergekommen  sein  lasse.
            
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