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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 73. Band, (Jahrgang 1873)

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C  o  n  z  e

Europa’s  hinaufdringenden  fremden  Weise.  Höchst  lehrreich
hierfür  sind  viele  in  den  ihrer  Natur  nach  das  Alte  liehen  dem
Neuen  zähe  bewahrenden  Alpenländern  gemachte  Funde,  auf
welche  ich  weiter  unten  noch  zuriickkommen  werde,  höchst
lehrreich  ferner  die  weit  nach  dem  Norden  hinauf,  zumal  an
der  Rheinstrasse  entlang,  versprengten,  unverkennbar  etruskischen ­
  Kunstfabrikate.  Aber  erst  mit  der  Romanisirung  und
endlich  der  Christianisirung  geht  die  alteuropäisclie  Kunstweise
auch  bis  in  den  äussersten  Norden  zu  Ende,  auf  dessen  Halbinseln ­
  und  Inseln  sie  deshalb  ihre  längste  Dauer  gehabt  hat.
Als  eines  der  letzten  Glieder  in  der  Kette  von  Belegstücken,
deren  erstes  die  ältestgriechisclien  von  mir  behandelten  Vasen
bilden,  erscheinen  liier,  wie  ich  in  der  ersten  Abhandlung  nur
andeutete  (S.  533,  29  des  Separatabdrucks),  die  irischen  Manuscripte
  1  mit  ihrer  neben  der  schon  lateinischen  Schrift  so  höchst
seltsamen  Initialornamentik,  die  noch  immer  in  der  alten  Beschränkung ­
  eiii  nun  auf  das  Künstlichste  verfeinertes,  ich  sagte,
zopfig  gewordenes  Linearornament  mit  eingemischten,  höchst
primitiven  oder  in  ein  lineares  Schema  übersetzten  animalischen,
darunter  auch  menschlichen,  Figuren  bei  Vermeidung  von
Pflanzenornament  aufweisen.  Das  keltische  Irland 2  in  seiner
Europa  abgewandten  Lage,  von  Römern  nie  besetzt,  hat  bekanntlich ­
  auch  sonst  altheidnisches  Wesen  lange  zähe  bewahrt;
dasselbe  vermischte  sich  mit  der  irisch-christlichen  Kirche,  die
nicht  von  Rom  aus  gegründet  wurde,  sich  vielmehr  eigenthümlich
  dem  Nationalcharakter  entsprechend  und  in  Isolirung  gestaltete ­
  und  aus  deren  Schoosse  dann  eine  Zeit  lang  gewaltige
Anregungen  und  Missionen  nach  dem  Contincnt  ausgingen.
Dort  trat  ihnen  die  römische  Kirche  von  Germanen  getragen
und  ihnen  den  Garaus  machend  entgegen.  Zu  dem  altnationalkeltisch-einheimisch-heidnischen
  dieser  Kirche  gehörte  u.  A.
auch  jene  eigenthiimliche,  die  einheimisch-heidnische,  in  letztem
Roste  alteuropäische  Weise  fortführende  Kunstart,  welche,  uns
zumal  in  den  Bücherminiaturen  noch  vorliegend,  mit  der  Kirche
dann  endlich  doch  der  römischen,  das  ist,  auf  das  Grosse  des

1  Waagen  in  Eggers  deutschem  Kunstblatte  1850,  S.  83  f.  F.  W.  Ungei'
in  der  Revue  celtique  I,  S.  9  ff.
2  Vergl.  Pauli,  Aufsätze  zur  englischen  Geschichte.  Leipzig  1869,  S.  187  ff.
            
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