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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 73. Band, (Jahrgang 1873)

Zur  Geschichte  der  Anfänge  griechischer  Kunst.

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sagen,  die  griechische  und  lateinische  Sprache  seien  deshalb
verwandt,  weil  in  beiden  der  A-  und  der  O-Laut,  weil  in  beiden
so  und  so  viele  einzelne  gleichklingende  Wörter  sich  wiederholen? ­
  Auf  diesem  Wege  wäre  ja  Alles  zusammenzubringen.
Erst  Uebereinstimmung  mehl'  im  Ganzen,  Uebereinstimmung
nicht  nur  einzelner  Formen,  sondern  ganzer  Formenreihen,  der
Formenbehandlung,  z.  B.  Uebereinstimmung  der  Zahlwörter,
der  Declination  u.  s.  w.  erlauben  den  Schluss,  auf  die  engere  Zusammengehörigkeit, ­
  auf  gemeinsame  Abstammung  zweier  Sprachen. ­
  Dem  entsprechend  betonte  ich,  dass  das  ,Gesammtsystem
der  verzierenden  Bildnerei,  sozusagen  ihre  Syntaxis,  ihr  ganzes
Gerüst  mit  einer  eigenthümliclien  Art  der  Fügung,  innerhalb
derselben  erst  beachtenswert!)  dieselben  Einzelformen  und  namentlich ­
  auch  dieselbe  Ausschliessung  bestimmter  Formen/
charakterisirend  für  Zusammenhang  und  Verschiedenheit  sei,
bei  jenen  griechischen  Gefässen  also  für  Zusammenhang  nach
Alteuropa,  Verschiedenheit  nach  Vorderasien  hin.  Dass  ein
Dreieck  auf  jenen  griechischen  Vasen  und  einer  altpalästinischen
Scherbe  sich  ähnlich  wiederholt,  bedeutet  schon  an  sich  Nichts,
verschwindet  aber  vollends  als  Argument  der  Zusammengehörigkeit ­
  gegenüber  dem  einen  Scheidungsmale  der  auf  vorderasiatischen ­
  Werken  dominirenden,  auf  jenen  griechischen  Tliongefässen
  wie  in  der  ganzen  alteuropäischen  Ornamentik  völlig
fehlenden  stilisirten  Pflanzenform.
Als  ein  anderes  Merkmal  der  Scheidung  zwischen  der
neuen  Vasenclasse  und  den  orientalisirenden,  weiter  gegriffen
zwischen  der  alteuropäischen  und  der  vorderasiatischen  Kunstweise ­
  hatte  ich  in  dem  Vorherrschen  einerseits  und  Fehlen
andrerseits  gewisser  Thiergestalten  gesehen.  In  Vorderasien
und  auf  denjenigen  griechischen  Vasen,  welche  von  dort  her
ihr  System  der  Decoration  tragen,  herrschen  Löwen  und  Tiger,
seit  lange  her  zu  festen  Schemata  ausgebildet,  1  vor,  auf  der
von  mir  neuerlich  behandelten  Classe  von  Vasen  fehlen  diese
Tliiere  gänzlich,  wie  auch  in  der  übrigen  alteuropäischen  Kunst;
ich  fand  das  begreiflich,  weil  sie  im  Norden  nicht  wie  in  Vorder-1
  Conze,  Reise  auf  den  Inseln  des  thrakischen  Meeres,  8.  9,  Anm.  3.  Die
Löwen  von  Mykenai  mögen,  lim  als  Scbreckbilder  zu  wirken,  in  der
That  doch  eine  Ausnahme  bilden,  wie  die  Löwen  auf  dem  Sarkophage  aus
Kameiros  im  brittischen  Museum  (Arch.  Zeit.  1864,  Anzeiger  S.  162  *).
Sitzuugsber.  d.  pliil.-liist.  CI.  LXXII1  Bd.  1.  Hft.  15
            
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