Ueber die EntsteliungeVerhältnisse dev Constitutio de expeditione Roraana. 205
auf die jetzige Gestaltung der Narratio höchstens einen ganz
untergeordneten Einfluss ausgeübt haben kann.
Nach allem Gesagten kann keine Urkunde K. Eleiurich’s
III. oder eines anderen Herrschers des eilften Jahrhunderts
zu Grunde liegen. Der Vorlage muss die urkundliche
Einkleidung noch gefehlt haben, dieselbe wird durchaus auf
Rechnung des späteren Ueberarbeiters zu setzen sein.
Suchen wir uns nun die wahrscheinliche Gestaltung der
Vorlage bestimmter zu vergegenwärtigen, so möchte icli
wenigstens die Möglichkeit nicht bestreiten, dass der grösste
Theil der Dispositio in der noch jetzt vorliegenden Fassung
ungeändert aus der Vorlage entnommen sei, der Ueberarbeiter
da nur einige wenige, zum Theil schon erwähnte Zusätze gemacht
habe. Allerdings würde dann zuweilen der Reim ganz
fehlen; es würden die sich reimenden Satztheile von ganz
ungleicher Länge sein. Aber das findet sich auch in anderen
Denkmalen der Zeit, wo doch das Streben nach dem Reim
deutlich hervortritt; es gibt für die Reimprosa keinerlei bestimmte
Regel; das Gefallen am Reim macht sich da in verschiedenster
Abstufung geltend. Bald nimmt man ihn nur
gelegentlich auf, wo er sich ohne alle Mühe darbietet; bald
sieht man, dass die Fassung wesentlich durch das Suchen nach
Reimen beeinflusst war, ohne dass das ausschliesst, dass man
an einzelnen Stellen, wo der Reim schwerer zu finden war,
ganz von ihm absah; oft finden sich von den zusammengehörenden
Reimwörtern die einen fast unmittelbar neben einander,
während ein anderes durch einen langgezogenen Satztheil
von ihnen getrennt erst später nachhinkt. Das noch so deutliche
Hervortreten des Reimes an einzelnen Stellen wird uns nicht
berechtigen dürfen, ihn als ursprünglich überall vorhanden
anzunehmen und da, wo er fehlt, an Uebcrarbeitung oder
Corruption zu denken; oder auch etwa da noch absichtliche
Reime anzunehmen, wo sicli in längeren Stellen etwa nur noch
ein blosses Zurückgreifen auf den Vocal der entsprechenden
Endsilbe und zwar ohne alle Rücksicht auf die Betonung ergeben
würde, und auch das nur dann, wenn die Reime nicht,
wie das in der Reimprosa durchweg der Fall ist, nur am
Ende der Satztheile, sondern ganz unabhängig von der Gliederung
des Satzes gesucht werden. Ich denke, dass dieser