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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 73. Band, (Jahrgang 1873)

Ueber  die  EntsteliungeVerhältnisse  dev  Constitutio  de  expeditione  Roraana.  205

auf  die  jetzige  Gestaltung  der  Narratio  höchstens  einen  ganz
untergeordneten  Einfluss  ausgeübt  haben  kann.
Nach  allem  Gesagten  kann  keine  Urkunde  K.  Eleiurich’s
  III.  oder  eines  anderen  Herrschers  des  eilften  Jahrhunderts ­
  zu  Grunde  liegen.  Der  Vorlage  muss  die  urkundliche
Einkleidung  noch  gefehlt  haben,  dieselbe  wird  durchaus  auf
Rechnung  des  späteren  Ueberarbeiters  zu  setzen  sein.
Suchen  wir  uns  nun  die  wahrscheinliche  Gestaltung  der
Vorlage  bestimmter  zu  vergegenwärtigen,  so  möchte  icli
wenigstens  die  Möglichkeit  nicht  bestreiten,  dass  der  grösste
Theil  der  Dispositio  in  der  noch  jetzt  vorliegenden  Fassung
ungeändert  aus  der  Vorlage  entnommen  sei,  der  Ueberarbeiter
da  nur  einige  wenige,  zum  Theil  schon  erwähnte  Zusätze  gemacht ­
  habe.  Allerdings  würde  dann  zuweilen  der  Reim  ganz
fehlen;  es  würden  die  sich  reimenden  Satztheile  von  ganz
ungleicher  Länge  sein.  Aber  das  findet  sich  auch  in  anderen
Denkmalen  der  Zeit,  wo  doch  das  Streben  nach  dem  Reim
deutlich  hervortritt;  es  gibt  für  die  Reimprosa  keinerlei  bestimmte ­
  Regel;  das  Gefallen  am  Reim  macht  sich  da  in  verschiedenster ­
  Abstufung  geltend.  Bald  nimmt  man  ihn  nur
gelegentlich  auf,  wo  er  sich  ohne  alle  Mühe  darbietet;  bald
sieht  man,  dass  die  Fassung  wesentlich  durch  das  Suchen  nach
Reimen  beeinflusst  war,  ohne  dass  das  ausschliesst,  dass  man
an  einzelnen  Stellen,  wo  der  Reim  schwerer  zu  finden  war,
ganz  von  ihm  absah;  oft  finden  sich  von  den  zusammengehörenden
  Reimwörtern  die  einen  fast  unmittelbar  neben  einander, ­
  während  ein  anderes  durch  einen  langgezogenen  Satztheil
von  ihnen  getrennt  erst  später  nachhinkt.  Das  noch  so  deutliche
Hervortreten  des  Reimes  an  einzelnen  Stellen  wird  uns  nicht
berechtigen  dürfen,  ihn  als  ursprünglich  überall  vorhanden
anzunehmen  und  da,  wo  er  fehlt,  an  Uebcrarbeitung  oder
Corruption  zu  denken;  oder  auch  etwa  da  noch  absichtliche
Reime  anzunehmen,  wo  sicli  in  längeren  Stellen  etwa  nur  noch
ein  blosses  Zurückgreifen  auf  den  Vocal  der  entsprechenden
Endsilbe  und  zwar  ohne  alle  Rücksicht  auf  die  Betonung  ergeben ­
  würde,  und  auch  das  nur  dann,  wenn  die  Reime  nicht,
wie  das  in  der  Reimprosa  durchweg  der  Fall  ist,  nur  am
Ende  der  Satztheile,  sondern  ganz  unabhängig  von  der  Gliederung ­
  des  Satzes  gesucht  werden.  Ich  denke,  dass  dieser
            
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