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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 73. Band, (Jahrgang 1873)

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Ficker.

die  Rede,  so  würde  das  freilich  ganz  der  späteren  Bedeutungentsprechen; ­
  aber  die  Urkunde  ist  zweifellos  interpolirt  (vgl.
Stumpf  Reichskanzler  1,  20),  während  in  einer  anderen  Kaiserurkunde ­
  für  Fulda  von  982  unter  den  Ministerialen  Beamte
zu  verstehen  sein  werden  (Dronke  Cod.  Fühl.  335.  337).  Um
bevorzugte  Unfreie  handelt  es  sich  jedenfalls  schon,  wenn  der
König  1005  bestimmt,  dass  die  ministerielles  fassalli  eines  an
Bamberg  geschenkten  Klosters  denen  des  Bisthums  gleichstehen
sollen  (Wirtemb.  Urk.-B.  1,  242).  Vier  an  Fulda  geschenkte
Truchsesse  und  Marschälle  scheidet  der  Kaiser  1015  als  seine
Ministerialen  von  andern  Unfreien  (Dronke  345).  Als  Unfreie,
bevorzugter,  wenn  auch  nicht  gerade  ritterlicher  Stellung  erscheinen ­
  die  Ministerialen  in  Wirzburger  Urkunde  von  1036
(Mon.  Boica  37,  21).  Ganz  in  der  späteren  Weise  gebraucht,
erscheint  der  Ausdruck  in  dem  nicht  vor  1057  aufgezeichneten
Bamberger  Dienstrecht  (Jaffe  Bibi.  5,  51).  Im  Allgemeinen
ist  in  den  früheren  Zeiten  des  Jahrhunderts  die  Verwendung
des  Ausdrucks  in  späterer  Bedeutung  eine  so  vereinzelte,  dass
sie  Bedenken  gegen  die  Echtheit  bezüglicher  Urkunden  erregen
muss  (vgl.  z.  B.  Wirtemb.  Urk.-B.  1,  249).  Der  Ausdruck
kommt  hier  früher,  dort  später  in  Gebrauch,  ist  selbst  zu  Ende
des  Jahrhunderts  noch  kaum  als  der  allgemein  übliche  zu  bezeichnen. ­
  In  der  Reihe  der  Trierer  Urkunden  tinde  icli  den
Ausdruck  zuerst  1084  (Beyer  Urk.-B.  1,  438),  während  er
aber  auch  von  da  ab  noch  lange  mit  anderen  wechselt.  In
den  zahlreichen  Urkunden  von  Freising  wird  erst  ]  120  der
früher  übliche  Ausdruck  de  familia  durch  ministerielles  ersetzt
(Meiclielbeck  Hist.  Fris.  1,  531).  Allerdings  liesse  sich  geltend
machen,  dass  schon  in  der  Beschwörung  des  Gottesfriedens
von  1085  (Mon.  Germ.  L.  2,  58)  wiederholt  von  Ministerialen
die  Rede  ist,  woraus  man  scliliessen  sollte,  dass  der  Ausdruck
damals  schon  im  ganzen  Reiche  als  der  üblichste,  als  der  die
Sache  am  genauesten  bezeichnende  betrachtet  worden  sei.
Dabei  wird  aber  doch  zu  beachten  sein,  dass  hier  die  Beschlüsse ­
  einer  Kölner  Synode  von  1083  wörtlich  wiederholt
sind,  uns  also  zunächst  nur  ein  Zeugniss  für  den  Kölner
Sprachgebrauch  vorliegt;  gerade  zu  Köln  aber  wird  der  Ausdruck ­
  ziendich  früh,  mindestens  seit  1061  (Lacomblet  Urk.-B.  1,
126.  137)  gebraucht,  allerdings  auch  hier  noch  längere  Zeit
            
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