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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 73. Band, (Jahrgang 1873)

Beiträge  zur  muhammedanisclien  Münzkunde.

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Bewohner  dieses  weiten,  von  der  Natur  wenig  begünstigten
Gebietes,  die  Berber  besassen  keinen  entwickelten  nationalen
Cult,  der  einen  mächtigen  Damm  der  neuen  Religion  entgegengesetzt ­
  hätte.  Schon  unter  der  Regierung  Umar  II.
gab  es,  wie  ein  alter  Chronist  sagt,  kaum  einen  Berber,  der
nicht  bereits  den  Islam  angenommen  hatte  b  So  wenig  aber
als  vorher  das  Christen-  und  Judenthum 2 ,  fasste  der  neue
Glauben  tiefere  Wurzel.  Bezeichnend  isthiefür  die  Aeusserung  des
arabischen  Generals  Ukba  Ibn  Nafi,  der  vor  allen  den  Character
der  Berber  am  schärfsten  erfasste,  dass,  wenn  ein  Imam  den
Boden  Afrika’s  beträte,  sie  den  Islam  festhalten,  wenn  er  aber
den  Rücken  kehrte,  ein  jeder  von  ihnen  von  der  Religion
Gottes  wieder  abfallen  würde 3 .  Nicht  dass  die  Berber  überhaupt ­
  einer  religiösen  Begeisterung  unfähig  waren,  vielmehr
sind  sie  nie  auf  dem  Schauplatz  der  Geschichte  aufgetreten,
ausser  wenn  sie  von  einem  Priester  für  eine  religiöse  Idee
in  Bewegung  gesetzt  wurden,  wie  das  Erscheinen  der  Almoraviden
  und  Almohaden  zeigt,  aber  der  Islam  in  der  Form,
wie  sie  die  mit  dem  Umaijaden  zur  Herrschaft  gelangte  orthodoxe ­
  Pai’tei  vertrat  und  durch  landaussaugende  Statthalter  nur
wenig  empfahl,  fand  bloss  äusserliche  und  wenig  enthusiastische
Bekenner.  Desto  grösseren  Beifall  wurde  den  von  flüchtigen
Charidschiten  gepredigten  demokratischen  Doctrinen  zu  Theil.
Die  Lehren  der  Sifriten  und  Ibädhiten  1  mit  der  von  ihnen
angestrebten  vollständigen  Gleichheit  aller  Religionsgenossen
und  der  Souveränität  des  Volkes  waren  weit  volksthtunlicher,
als  die  starre  Orthodoxie  mit  ihrem  leeren  Formelwesen.  In
unmittelbarer  Folge  der  Verbreitung  charidscliitischer  Grund-1
  Weil,  .Geschichte  der  Chalifen  I.  583.
2  Einige  Berberstämme,  wie  die  Dschawära,  Nafflsa  etc.,  bekannten  sich
zum  Judenthume,  vgl.  Ibn  Chaldun,  hist,  des  Berberes  ed.  Slone  I.
P-  (ff.
3  Description  de  l’Afrique  ed.  von  Kremer,  p.  4  vgl.  .1.  Asiat.  1841.  p.  117.
4  lieber  diese  Secten  ist  wenig  bekannt.  Sie  verwarfen  die  Autorität
des  Chalifen  und  betrachteten  alle  andern  Muslimen  als  Ungläubige,
ebenso  wie  Ali  und  die  meisten  Anhänger  des  Propheten.  Die  Sifriten
stimmten  mit  den  Ibädhiten,  einige  Lehrsätze  ausgenommen,  überein.
Vgl.  Journ.  Asiat.  1841,  II.  p.  442  Note.  Dass  aber  einige  Fractionen
dieser  Secte  die  Wallfahrt  nicht  unterliessen,  sagt  al-Jaqubi,  Descriptioal
Maghribi  ed.  Goije  p.  44.  Weil,  Gesell.  1.  p.  691.  Schahrastani  p.  100.
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