mit der Geissei über Völker zu herrschen, die sie mit dem
krummen Säbel und mit den Pfeilen sich unterwarfen. Ihre Wanderung'
ist ein Hinausströmen überreichen Menschensegens in
leergewordene Räume, ohne Aufregung, ohne Heldenthum, ohne
Schwung thatenkühner Kraft. Der Germane lebt sich in die
staatlichen Ordnungen ein, welche er auf den eroberten Culturräumen
vorfindet, der Türke schafft aus dem Nichts, das seine
Zerstörung hervorruft, 1 eine neue kräftige Ordnung, der Slave
bewahrt auf der Tabula rasa, die er fast aller 'Orten schon
trifft, die alten aus der Heimath gebrachten Zustände weiter.
Die Wanderung kittet seine Schaaren nicht fester zusammen,
sie schafft keine Heerkönige, keine Schwertreiche. Kaum dass
im Zusammenstosse mit der römischen Welt in kleinen Raubgängen,
die keine Helden bildeten, die Namen Ardagast,
Musok, Piragast sich hervorheben, Namen, an die man die
germanischen Ermanarich, Alarich, Tlieodorich, Alboin, Clodwig
zu halten braucht, um den Unterschied auf das grellste
zu bezeichnen. Daher gibt es auch eine liunische, eine osmanische
Eroberungs-Sage, ein germanisches Epos aus der Völkerwanderungszeit,
aber keine slavische Völkerwanderungssage;
erst die späteren Tage ernsten Kampfes um Boden und Freiheit
haben bei Russen und Serben das Heldenlied gezeitigt.
Die ausgewanderten Zweige der Slaven haben keine Erinnerung
an das Mutterland am Dnieper bewahrt und im Mutterlande
ist eben so wenig ein Andenken zurückgeblieben an die
Aussendung so vieler Söhne nach Süd und West. Kein Zusammenhang
verband die beiden hinfort mit einander. Dem
Geschichtschreiber, der zuerst unter den Slaven hervortrat,
drängte sich das Bedürfniss einer Erklärung auf, woher alle
die sprachlich sich so nahe stehenden Stämme ihren Ausgang
1 A. Jaubert ('Journal asiatique 12, 485) eharakterisirt dies in kräftigen
Worten: Ce n’etait pas tant tambur du pillage que l’ardeur de la destruction
qui les (les peuples de race mong’ole) dirigeait. S’ils n’eussent etd que conqinhants,
ils auraient songe ä,conserver; si le patriotisme, l’amour de la
gloire eussent ete leurs mobiles, ils auraient voulu perpetubs, par des
etablissements durables, le Souvenir de leurs succes; mais un sentiment
de vengeance (teile est l’expression dont se servent les auteurs turks)
aveugle, imprevoyante, une soif inextinguible de sang et de carnage, un
instinct malheureux qui les portait h ne se complaire qu’au milieu des
ruiues, telles furent leurs passions. —