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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 73. Band, (Jahrgang 1873)

Zeitpunkt  der  slavisclien  Anstellung  an  der  unteren  Donau.

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der  Regierung  möglich  gewesen.  Was  aber  von  slavisclien
Haufen  feindlich  ins  Land  brach,  das  hatte  kein  Verweilen  daselbst, ­
  das  Kriegsglück  kehrte  immer  wieder  zu  den  romäisclien
  Waffen  zurück.
Diesen  Argumentationen,  welche  auf  Grund  der  dargestellten ­
  Verhältnisse  sich  erheben,  stellt  kein  einziges  Zeugniss
gegenüber,  das  uns  ermächtigte,  Slavenansiedelungen  im  römischen ­
  Reiche  südlich  der  Donau  vor  602  anzunehmen.  Die
Behauptung,  welche  Schafarik  aufgestellt  hat,  dass  unter  den
,Städten  und  festen  Orten  Moesiens,  Thrakiens,  Makedoniens,
Illyriens  und  Epeiros’  bei  Prokop  (552)  schon  viele  Namen
slavisches  Gepräge  an  sich  tragen' 1  legt  nur  davon  Zeugniss
ab,  dass  Schafarik  in  Bezug  auf  Namenforschung  im  J.  1837
als  er  dies  schrieb,  über  die  ungeheuren  etymologischen  Träumereien, ­
  mit  welchen  er  im  J.  1828  hervorgetreten 2 ,  im  wesentlichen ­
  nicht  hinausgekommen,  dass  seine  Forschung  nicht
sicherer  und  bedächtiger  geworden  war.  Das  Slavische  im
Prokopios  aber  soll  nocli  heute  naehgewiesen  werden.
Von  den  Etymologien,  an  welche  bedeutsame  Folgerungen
geknüpft  worden  sind,  verdient  vielleicht  nur  die  eine,  welche
den  Namen  Justinianus  betrifft,  hier  berührt  zu  werden.  Man
bat  nämlich  dem  Namen  Uprauda,  wie  Justinianus  als  Jüngling
liiess,  den  Sinn  von  Justus  beigelegt  und  slavische  Abstammung
für  ihn  und  das  Land  aus  dem  er  stammte,  behauptet.  Allein
Justinianus  hiess  nicht  so,  weil  sein  früherer  Name  Uprauda
den  Sinn  von  Justus  hatte,  sondern  weil  ihn  sein  Onkel  Justinus
adoptirte;  die  Erweiterung  des  Namens  ist  in  solchen  Fällen  gewöhnlich ­
  gewesen  und  so  wurde  aus  einem  Justinus  folgerichtig
ein  Justinianus.  Es  müsste  .also  bezeugt  werden,  das  Justinus
ursprünglich  Uprauda  hiess;  wir  wissen  aber,  dass  dieser  aus

1  Slav.  Altertliiimer  2,  14.
Ueber  die  Abkunft  der  Slawen.  Ofen  1828.  Durch  die  gewaltsamste  Deutung ­
  aus  slavisclien  Wurzeln  werden  Namen,  über  deren  Bedeutung
sonst  gar  nichts  bekannt  ist,  zu  slavisclien  gestempelt;  der  sicheren  alten
Form  werden  junge  slavische  Umformungen  vorgezogen,  Gegner,  die  sich
zur  Anerkennung  solcher  Resultate  nicht  verstehen  wollten,  gröblich  behandelt. ­
  Auf  solche  Art  werden  Rhizinium,  Salona,  Sardica,  TJlpiana,
Horrea  (Margi),  Gratiana,  Drubeta,  Almus,  Tibiscus  u.  a.  auf  der  Halbinsel ­
  zu  Beweisen  für  altes  Slaventhum.

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