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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 73. Band, (Jahrgang 1873)

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il  o  e  81  e  r.

jenseits  der  Donau  zu  rücken,  als  heftige  Regengüsse  und  der
Eintritt  des  kalten  Wetters,  die  meuterische  Gesinnung  neu
anfachten,  die  nun  nicht  wieder  beschwichtigt  werden  konnte,
und  im  raschen  Verlaufe  den  Thron  des  Maurikios  stürzte  und
diesen  unter  seinen  Trümmern  begrub  1  (602).
Unter  Phokas  (602  —610),  der  wie  ein  zweiter  Jehu,  das  kaiserliche ­
  Haus  abgeschlachtet  hat,  muss  das  Elend  des  Reiches  eine
unerträgliche  Höhe  erreicht  haben. 2  Kein  Zeuge  meldet  genauer
von  den  Einbrüchen  der  raubenden  Horden,  und  doch  war  es
eine  Zeit,  in  der  sie  sich  im  Reiche  heimischer  fühlen  mochten
als  jemals  seit  den  Tagen  Justinus  II.  Vor  allem  aber  war
es  Phokas,  der  das  Avarenthum,  an  das  schon  die  Axt  gelegt
war,  vor  dem  Untergange  bewahrte,  indem  er  den  Maurikios
im  Laufe  seiner  vielversprechenden  Erfolge  unterbrach.  Er
hat  damit  auch  den  Slaven  später  den  Weg  nach  Moesien  gebahnt. ­
  Die  nachfolgenden  bedrängten  Zeiten  haben  Iieeresziige
  wie  die  des  Maurikios  zum  Schutze  des  Donaulimes  nicht
mehr  gesehen.
Bis  auf  Phokas  ist  nirgends  Raum  für  eine  gewaltsame
Ausbreitung  der  Slaven  auf  dem  Boden  des  Reichs;  ihre  Raubzüge ­
  werden  zurückgeschlagen,  sie  selbst  auf  ihrem  eigenen
jüngsterworbenen  Boden  glücklich  bekämpft.  Alle  Donaufestungen ­
  von  Singidon  bis  Dorostylon  stehen  aufrecht;  weiter
nach  Osten  wird  kein  Castell  mehr  genannt,  niemals  geht  ein
Heer  in  jenem  Theile,  der  Klein-Skytliien  hiess,  etwa  über
dem  Hals  der  Donau  ins  Tiefland  hinüber,  daher  wir  wol
annehmen  dürfen,  dass  es  bis  zu  dem  bekannten  Walle  des
Comes  Traianus  schon  den  Slovenen  gehörte.  •  Noch  aber  besass
  das  Reich  in  Europa  im  J.  602  die  ganze  Halbinsel  von
Istrien  bis  zum  westlichen  Pontusgestade,  das  Banner  des
Reiches  wehte  noch  in  Zara  wie  in  Tomi.  Nirgends  geschieht
auf  dieser  ganzen  Ausdehnung  die  leiseste  Erwähnung,  dass
etwa  von  Seiten  der  Regierung  selbst  eine  Ansiedlung  slavischer
  Bevölkerung  wäre  ins  Werk  gesetzt  worden.  Eine
friedliche  Ansiedlung  wäre  aber  damals  nur  unter  der  Autorität

1  Theophylact.  322—326.  Theophanes,  irrig  zum  J.  594,  S.  437—449.
2  Theophan.  S.  448  bezeugt  es  mit  den  Worten  ou  oiiknze  o's  Trj'v  Pto[j.a(ü)V
ßaatXstav  £c-  exeivou  y.atpou  Guarj-/yj[j.aTa  7wOi/.(Xa  zz  zai  e<jafoi.a.
            
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