Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 73. Band, (Jahrgang 1873)

Zeitpunkt  der  slavischen  Ansiedlung  an  der  unteren  Donau.

109

harmlose  fleissige  Landleute!  Woher  dieser  auffallende,  plötzliche ­
  Wechsel  des  Charakters  ?  Aber  die  Slaven  waren  bis  eben
dahin  noch  keine  Liebhaber  des  Ackerbaues,  die  Neigung  zu
diesem  und  dem  sesshaften  Leben  ist  nichts  als  eine  allen
Zeugnissen  ins  Angesicht  widersprechende  Fiction  Schafariks
und  derer,  die  ihm  gläubig  folgen.  Slaven  in  Moesien,  die  aut
ihre  Faust  dahin  gekommen  waren,  hätten  ebenso  gewüstet
und  geplündert,  wie  die  unter  Tiberius  und  diejenigen,  welche
in  der  Walachei  standen  und  alljährlich  auf  die  Gelegenheit
lauerten,  über  den  Fluss  zu  setzen  und  über  den  Balkan  zu
stürmen.  Ein  Kaiser,  dem  es  also  darum  zu  thun  war,  den
Boden  des  Reiches  zu  schirmen,  wie  Maurikios  dies  in  der
That  wollte,  würde  also  vor  Allem  den  Boden  Moesiens  reingefegt ­
  haben,  ehe  er  vor  die  Schwelle  des  Reiches  trat,  um
dort  den  Störefried  aufzusuchen.
Maurikios  war  aber  sogar  weit  entfernt  davon,  sich  mit
dem  bisherigen  Umfange  des  Reiches  zu  begnügen,  wie  er  ihn
vorfand,  in  vermessenen  Augenblicken  meinte  er,  obgleich  der
Staat  im  Osten  mehr  als  hinreichend  in  Anspruch  genommen
war,  auch  oberhalb  des  eisernen  Thores  die  Avaren  selbst  aufsuchen ­
  zu  dürfen.  Die  reine  Defensive  genügte  ihm  wenigstens ­
  nicht.  In  diesem  Sinne  erfolgte  der  Feldzug  vom  J.  598.
Noch  Grösseres  hoffte  er  601  1  ausrichten  zu  können.  Wieder
war  es  der  Kaiser,  der  den  eben  abgeschlossenen  Frieden
zerriss  2 ,  um  die  Avaren  auf  ihrem  eigenen  Boden  aufzusuchen
und  sie  ihrer  Gefährlichkeit  zu  entkleiden.
Comentiolos  sollte  zum  Heere  des  Priskos  bei  Singidon
stossen  und  beide  dann  auf  das  ,Festland'  hinübergehen.  Die
Vereinigung  erfolgte  auch  wirklich,  und  sie  marschirten  dann
aut  Viminacium.  DerChagan  liess  den  Flussübergang  hier  durch
vier  seiner  Söhne  decken,  und  es  wurde  lange  Zeit  blutig  gelochten. ­
  Endlich  gewannen  die  Romäer  ein  entscheidendes
Uebergewicht,  die  Söhne  des  Chagans  versanken  in  der  Donau,
15.000  Barbaren  sollen  beim  letzten  Sturme  geblieben  sein.
Nichts  hinderte  weiteres  Vorrücken.  Binnen  einem  Monate
stand  Priskos  an  der  Theiss  im  Avarenreiche  selbst,  und  er-1
  Büdinger,  Oest.  Gesell.  1,  74  irrig  ,nocli  in  demselben  Jahre 1  d.  i.  G00.
2  Theophylact.  315.  Hist.  mise.  413.  Theophan.  434.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.