104
Roesler.
des römischen Heeres, der sodann niedergemetzelt wurde. Als
Petros dies erfuhr, liess er sein ganzes Heer am rechten Ufer
Stellung nehmen und fing an, die Feinde gegenüber zu beschiessen.
Diesem Fernangriffe widerstanden die schlechtbewaffneten
Slavcn nicht lange, Piragast selbst fiel und das Ufer
ward alsbald frei. Da die Romäer nach der Landung, die
jetzt unbehelligt von statten ging, die Verfolgung landein fortsetzten,
geriethen sie aber in wasserlose Gegenden und litten
so furchtbar am Durste, dass man selbst Harn zu trinken
nicht verschmähte. Die Noth hörte erst auf, als ein Gefangener
die tröstliche Kunde gab, dass vier Parasangen von
ihnen der Fluss Elivakia sei. Als aber die Verschmachtenden
das Gewässer erreicht hatten, und sich dem Genüsse des Trinkens
hingaben, die einen mit dem Munde, die andern aus
holder Hand schlürfend, ein dritter mit einem Gefässe schöpfend,
und Niemand Schlimmes besorgte, da brauste ein Hagel von
Wurfspiessen auf sie ein und tödtete viele Leute. Und als
man auf Kähnen über den Fluss ging, um die Feinde zu vertreiben,
erlitten die Romäer eine Niederlage gegen die versammelte
Heeresmacht der Barbaren. Der vierte Feldzug in
die Walachei endete so mit einem empfindlichen Verluste (597).
Da der Anmarsch des römischen Feldherrn von Markianapolis
über Zaldapa, Jatros, (Unter-) Novae, Securisca erfolgt
ist, und als das letzte Hauptcpiartier in Moesien Asimus oder
Anasamus an der Osma genannt wird so kann es nicht zweifelhaft
sein , dass der Uebergang in diesem Feldzuge an der
wichtigen Uebergangsstelle des Stromes gegenüber der Alutaeinmündung,
bei Islasch, oder wenigstens nicht weiter abwärts
als bei Sistov erfolgte. Da sodann die Katastrophe des Heeres
sich am Flusse Ilivakia oder der Jalomita zutrug, so muss
das unbesonnene Vordringen im unwirthlichen Slavenlande
länger gedauert haben, als der chronikenartig dürre Bericht
beim ersten Lesen zu vennuthen anregt. Dass aber das Unglück
der Römer gerade einige Parasangen vor der Erreichung
der Jalomita gesetzt wird, erhöht die ohnedies durch nichts in
Frage gestellte Glaubwürdigkeit der Nachricht, weil wirklich
1 Tkeopkylact. S. 270—279 Tkeoplian., fälscklick zum J. 589, S. 423 Hist,
jnisc. ed. Eyssenkardt S. 408.