Zeitpunkt der slavisclien Ansiedlung an der unteren Donau.
103
Die unerwarteten Fortschritte der Römer erregten auch
die Besorgnisse des Chagans und er beschloss jetzt einzugreifen,
um weiteres Wachsthum der römischen Macht zu verhindern.
Schon hatte er seinen Slaven befohlen, den Uebergang
über die Donau zu bewerkstelligen. Priskos aber beschwichtigte
seinen Zorn, indem er ihm 5000 von den gemachten
Gefangenen zum Geschenke sandte. 1
Als Priskos sein Commando an Petros, den unfähigen
Bruder des Kaisers, aus Gründen die wir nicht kennen, abgeben
musste, führte er sein Heer aus dem transistrischen Gebiete
zurück (J. 595), ohne Weitere Thaten vollführt zu haben. Dass
aber diese Expeditionen nur vorübergehenden Schrecken einjagten
und den Slaven die Lust zu Plünderungen im römischen
Reiche nicht verging, zeigte das nächste Jahr, wo dem Oberfeldherrn
ein Trupp Slaven in der Stärke von 600 Mann bei
Markianopolis begegnete. Auch von 1000 Mann im Lande
umherziehender Bulgaren ist um dieselbe Zeit die Rede, welche
den Angriff eines römischen Streifcorps nicht nur aushielten,
sondern auch zurückschlugen. Der Chagan bewies die Dreistigkeit,
wegen dieses Angriffs auf Leute, die mitten im Frieden
zwischen den beiden Reichen auf dem Boden des römischen
bewaffnet umherzogen, Klage zu führen.
Der neue Strategos von Europa hatte sich indessen für
einen neuen Angriff auf das jenseitige Festland vorbereitet,
und entsendete aus seiner Stellung bei Asimus 2 Späher über
die Donau. Diese hatten das Unglück, in den Gebüschen,
hinter denen sie sich verbargen, den Slaven in die Hände zu
fallen und verriethen so das Geheimniss der Römer. Sogleich
legte sich der slavische Häuptling Piragast in einem Walde
hart am linken Ufer auf die Lauer und erwartete den Vortrab
1 Theophylact. 250—260. Theophan. 417. 418. Hist. misc. ed. Eyssenhardt 406.
2 Ao7]|j.o; Theophylact. 274 ”A<jr)p.a 325 ’Aar)|j.ou? hei Priscus Panita S. 144.
Die ältere Form ist Asamus, so bei Plin. h. n. 3, 149. So liiess der
wenig östlich vom Utus (j. Vid) eininiindende Fluss (j. Osma). Die Stadt
am Asamus hiess Anasamus und lag IX. M. P. östlich von Utus, noch
heim Geogr. Rav. und in der Not. dign. Asamus, später nannte man sie
wie den Fluss selbst. Sie war nach Errichtung der Dacia Auroliani der
westliche Platz von Moesia secunda. Not. Or. c. 37 S. 102. Die heutige
Lage ist unbestimmt.