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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 73. Band, (Jahrgang 1873)

Zeitpunkt  der  slavisclien  Ansiedlung  an  der  unteren  Donau.

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Wir  wollen,  ehe  wir  weiter  gehen,  einige  sich  aufdrängende ­
  Schlüsse  ziehen.  Zunächst  den,  dass  Singidunum,  welches
der  Chagan  vor  einigen  Jahren  in  Besitz  nahm,  hei  Anfang
dieses  Feldzugs  wieder  in  römischen  Händen  war.  Sodann,
dass  die  mit  dem  Bau  der  Flottille  des  Chagans  beauftragten,
in  Furcht  vor  ihm  lebenden  Slaven  am  linken  Ufer  der  Save
wohnten,  dass  es  also  keine  anderen  als  die  im  alten  Savia
oder  im  sirmischen  Lande  sesshaften  Slovenen  waren,  deren
Kräfte  der  Chagan  in  Anspruch  nahm.
Der  Chagan  rückte  von  der  Save  in  raschen  Märschen
auf  Bononia  (j.  Vidin),  wendete  sich  von  da  südwärts  gegen
den  Hämus,  wo  er  den  Pass  von  Procliane  durch  Salvianus
den  Legaten  des  Priskos,  des  Strategos  von  Europa,  vertheidigt
  fand,  aber  den  Uebergang  nach  mehrtägigen  Gefechten
erzwang.  Ueber  Sabulum  Manale  1  am  Südabhang  des  Gebirgs
stürmte  er  ostwärts  vor  bis  Anchialos,  den  berühmten  Badeort,
den  er  von  früheren  Besuchen  wohl  kannte.  Nirgends  fand  er
mehr  ernstlichen  Widerstand  im  offenen  Felde.  Doch  liess  er
in  panischem  Schrecken  von  der  Belagerung  Driziparas  ab,
marschirte  aber  bis  an  die  Propontis  und  an  die  lange  Mauer.
Priskos  hatte  sich  in  das  nahgelegene  Tzurulum  geworfen  und
hielt  hier  eine  Belagerung  aus,  bis  es  ihm  gelang,  den  Chagan
durch  die  falsche  Nachricht  vom  Anzuge  eines  grossen  Entsatzheeres ­
  in  neue  Furcht  zu  setzen,  ja  selbst  in  seine  Heimat
zurückzuscheuchen.  Im  nächsten  Jahre  (593)  drang  der  Kaiser
darauf,  dass  man  die  Offensive  ergreife.  Der  Ister  müsste
kräftig  vertheidigt  und  die  Slaven  sollten  vom  Uebergange
über  denselben  abgehalten  werden.  Augenscheinlich  hatten  die
Slaven,  von  welchen  oben  die  Rede  gewesen,  den  günstigen
Zeitpunkt  benützt  und  im  Rücken  des  avarischen  Heeres  ihre
gefürchteten  Plünderungen  in  Moesien  und  Thrakien  wieder  unternommen. ­
  So  brach  denn  Priskos  der  Strategos  von  Europa  auf,
erreichte  von  Driziparain  fünfzehn  Märschen  Dorostylon  (j.  Silistria)
  an  der  Donau.  Sogleich  liess  der  Chagan  seinen  Unwillen
über  die  Verletzung  der  Verträge  auf  das  Stärkste  aussprechen.
Doch  vergeblich.  Priskos  berief  sich  darauf,  dass  ein  Ileereszug
  gegen  die  Slaven  mit  den  avarischen  Verträgen  nichts
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