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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 73. Band, (Jahrgang 1873)

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R  o  e  s  1  e  r.

sidien  erhöhte,  sogleich  offenkundig  geworden  sein,  und  es
hätte  nicht  erst  besonderer  Umstände  bedürft,  dem  Kaiser  darüber ­
  die  Augen  zu  öffnen.
Ueber  die  Oertlichkeit  aber,  aus  welcher  sich  dieselben
Slaven  auf  das  römische  Reich  warfen,  und  ob  esSlaven  vom
Süden  oder  vom  Norden  der  Donau  gewesen,  erfahren  wir  hier
noch  nichts.  Doch  wir  haben  dem  Theophylaktos  nur  weiter  zu
folgen,  um  die  gewünschten  Ergänzungen  zu  bekommen.  Nur
so  viel  erhellt  auch  ohne  besondere  Angabe,  dass  die  Slaven,
von  denen  hier  die  Rede  ist,  nicht  oberhalb  der  Donau-Katarakte ­
  wohnten,  denn  alle  dort  wohnenden  gehörten  als  Leute,
die  auf  dem  unmittelbaren  Herrschgebiete  der  Avaren  sassen,
zu  deren  wirklichen  Unterthanen.
Wir  eilen  aber  jetzt  über  den  nächsten  schweren  Kampf
zwischen  Römern  und  Avaren  hinweg,  weil  in  ihm  von  den
Slaven  nicht  die  Rede  ist.  Nach  manchem  Wechsel  des  Glücks
wurden  die  Avaren,  denen  es  diesmal  nicht  gelang,  sich  eines
festen  Punktes  im  Süden  der  Donau  zu  bemächtigen,  in  ihr
Land  zurückgedrängt  (586).'  Die  Verweigerung  einer  nochmaligen ­
  Tributerhöhung,  führte  den  Chagan  Bajan  im  J.  592
neuerdings  ins  Feld  und  es  erging  sein  Befehl,  dass  ihm  die
Slaven  die  Schiffe  zimmerten,  deren  er  für  den  Donauübergang
bedurfte.  Die  Arbeit  des  Schiffsbaues  —  wahrscheinlich  waren
es  eine  ungeheure  Zahl  jener  Einbäume,  welche  die  Uferbewohner ­
  der  Donau  seit  alten  Zeiten  verwendeten  —  wurde
aber  von  den  Bürgern  von  Singidon  (j.  Belgrad)  durch  häufige ­
  Ueberfälle  gestört,  so  dass  der  Chagan,  um  sie  daran  zu
hindern,  Singidon  zu  belagern  anfing.  Bereits  nach  sieben
Tagen  willigten  die  hartbedrängten  Städter  in  die  Zahlung  von
2000  Dariken  und  eine  Lieferung  von  Geschenken.  Der  Chagan
verliess  sodann  die  Umgebung  dieses  Platzes  und  beschloss,  bei
Sirmion  2  etwas  oberhalb  von  Singidon,  über  die  Save  zu  gehen
und  liess  hier  durch  seine  ,Taxiarchen'  den  Bau  der  nöthigen
Kähne  auf  das  eifrigste  betreiben.  Und  hier  fand  denn  der
Uebergang  auch  statt.

1  Das  Jahr  nach  cler  Bestimmung  der  Hist.  mise.  S.  304.  395.  Theophylact.
S.  87—104.  Thcophan.,  irrig  zum  J.  579,  S.  395—398.
2  Theophylact.  240  iMipoiov,  die  Hist.  mise.  404  richtig  Sirmium.
            
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