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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 73. Band, (Jahrgang 1873)

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Ro  e  s  1  er.

Kaspar  Zeuss,  ein  Forscher  den  wir  desto  mehr  bewundern, ­
  je  mehr  wir  ihn  studiren,  meinte,  dass  schon  mit  dem
Anfänge  der  Regierung  des  Maurikios,  also  um  582,  die  hellenischen ­
  Länder  an  die  Nordvölker  verloren  gingen  und  sah
in  den  späteren  moesischen  Slaven  einen  Antenstamm,  der  sich
schon  um  558  von  der  nördlichen  Masse  abgelöst  habe,  und  in
ein  bundesgenössisches  Verhältniss  zu  den  Römern  getreten  sei. 1
Miklosich  setzt  die  Eroberung  der  östlichen  Hämusländer  durch
die  Slovenen  zu  Ende  des  fünften  Jahrhunderts  an. 2  Nach
M.  Büdinger  haben  sich  die  Slaven  im  Laufe  des  sechsten
Jahrhunderts,  wahrscheinlich  besonders  nach  dem  Abzüge  der
Ostgothen  und  bei  dem  Vordrängen  der  Avaren,  nach  den
Ländern  südlich  der  Donau  verbreitet. 3  Schafarik  findet  in
seinem  Hauptwerke,  hierin  Surowiecki  folgend,  dass  die  Slaven
,bereits  in  der  ersten  Hälfte  des  VI.  Jahrhunderts  in  diese  Gregenden ­
  eingerückt  seien,  aber  bei  ihrem  stillen,  dem  Ackerbau
hingegebenen  Leben  den  Historikern  lange  Zeit  keine  Veranlassung ­
  gegeben  haben  mögen,  ihrer  zu  gedenken'. 4
Um  den  Leser  hierin  zu  einem  sicheren  Urtheile  gelangen
zu  lassen,  erscheint  es  durchaus  nothwendig,  ihm  die  Geschichte ­
  jener  Feldzüge  vorzulegen,  welche  unter  Maurikios
gegen  die  Barbaren  am  Ister  geführt  worden  sind.  Es  liegt
über  diese  Ereignisse  ein  Bericht  des  Theophylaktos  Simokatta
vor,  der  unter  Heraklios  schrieb,  und  ein  Auszug  desselben
Werks  in  der  weitläufigen  und  wenig  erquicklichen  Compilation ­
  des  Abtes  Theophanes  (f  817).  Sie  sind  beide  lange  keine
Geschichte,  sondern  eine  Ansammlung  unverstandener  und  oft
unverständlicher  Nachrichten,  aber  sie  lassen  meines  Erachtens

1  Die  Deutschen  S.  626.  606.
2  Die  slavischen  Elemente  im  Rumunisehen  S.  4.
3  Oest.  Gesell.  I,  72.  73.
4  Slav.  Alterthiimer  2,  14.  W.  Surowiecki  Sledzenie  poczatku  Naroddw
Slowianskich  S.  218  äussert  sich  über  die  moesischen  Slaven  nur  allgemein: ­
  Jest  podobienstwo,  ze  osady  te  (der  sieben  Stämme  in  Moesien)
zawiazaly  sie  w  czasach  ciaglycli  najazdöw  i  zagoszczeri  w  Tracii,  to
Slowian  zaistrzariskich,  to  röznych  innycli  barbarzyiicow,  i  ze  przy  spokojnie
  prowadzonem  rolnict.wio,  nie  daly  tu  przez  dlugi  czas  zadnego
powodu  do  zmianki  o  sobie.  Derselbe  lässt  aber  freilich  andere  Slavenschaaren
  schon  um  560  auf  der  Halbinsel  wohnen  (S.  216).
            
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